Low-Code und No-Code.
Low-Code und No-Code bezeichnen Plattformen, mit denen sich Anwendungen, Formulare oder Automatisierungen über visuelle Bausteine statt über klassisches Programmieren erstellen lassen. Bei No-Code geschieht das ganz ohne Code, bei Low-Code wird visuell gebaut und an einzelnen Stellen mit Code ergänzt.
Low-Code und No-Code — ausführlich erklärt
No-Code-Plattformen richten sich an Fachleute ohne Programmierkenntnisse. Datenbanken werden wie Tabellen angelegt, Oberflächen per Ziehen und Ablegen gestaltet, Abläufe als Kette von Bausteinen wie «Wenn neues Formular, dann E-Mail senden» verbunden. Low-Code-Plattformen arbeiten ähnlich, erlauben aber an bestimmten Stellen eigenen Code, etwa für Berechnungen, eigene Schnittstellen oder spezielle Darstellungen. Die Grenze zwischen beiden ist fliessend. Auch Website-Baukästen und Page-Builder folgen dem No-Code-Prinzip.
Die Stärke solcher Plattformen ist die Geschwindigkeit am Anfang. Ein internes Formular, eine einfache Datenbank für Anfragen oder eine Automatisierung zwischen zwei Diensten stehen in Stunden statt Wochen. Für die Validierung einer Idee, für Abläufe einer einzelnen Abteilung oder als Übergangslösung sind sie oft genau richtig. Sie entlasten die IT, weil Fachabteilungen kleine Probleme selbst lösen können.
Die Grenzen zeigen sich mit dem Wachstum. Kosten steigen oft mit der Anzahl Nutzer, Datensätze oder Ausführungen, sodass die anfangs günstige Lösung später teuer wird. Komplexe Geschäftslogik wird in visuellen Bausteinen schnell unübersichtlich und lässt sich schwer testen. Daten und Abläufe liegen auf der Plattform des Anbieters, ein Umzug bedeutet meist einen Neubau; das ist klassischer Vendor-Lock-in. Dazu kommen Fragen nach Datenstandort, Berechtigungen und Nachvollziehbarkeit, die bei Kundendaten unter das Datenschutzgesetz fallen.
Seit KI-Assistenten Code aus Beschreibungen erzeugen, hat sich die Lage verschoben. Mit Vibe Coding entsteht ebenfalls schnell eine erste Version, aber als echter Code, der versioniert, getestet und frei betrieben werden kann. Die Frage lautet deshalb heute seltener «Low-Code oder Programmieren?», sondern: Wie zentral ist die Anwendung für das Geschäft, wie lange soll sie leben, und wie viel Abhängigkeit ist vertretbar? Für Kernprozesse ist Individualsoftware oft die günstigere Wahl über die gesamte Lebensdauer, siehe Total Cost of Ownership.
Wann Low-Code passt und wann nicht
Gute Kandidaten sind interne Werkzeuge mit wenigen Nutzern, klar abgegrenzte Abläufe, die nicht das Kerngeschäft betreffen, Prototypen zur Prüfung einer Idee und Automatisierungen zwischen Diensten, die bereits passende Bausteine anbieten. Hier zählt Tempo mehr als Unabhängigkeit, und ein späterer Neubau ist verkraftbar.
Schlechte Kandidaten sind Anwendungen, die das Geschäftsmodell tragen, etwa ein Kundenportal, ein Buchungssystem oder eine Plattform, für die Kunden bezahlen. Ebenso Anwendungen mit vielen Nutzern, hohen Anforderungen an Ladezeit und Gestaltung oder sensiblen Daten. Dort wiegen Lizenzkosten, Abhängigkeit und Grenzen der Plattform über die Jahre schwerer als der schnelle Start. Die Abwägung entspricht der klassischen Frage Make or Buy.
Beispiel: Vom Formular-Baukasten zur eigenen Lösung
Ein Beispiel: Ein Reinigungsunternehmen erfasst Aufträge zuerst mit einem No-Code-Formular, das Einträge in eine Online-Tabelle schreibt und eine E-Mail an die Disposition schickt. Für den Start funktioniert das gut. Mit der Zeit kommen Einsatzplanung, Fotos vom Objekt, Rapporte und Rechnungen dazu. Die Tabelle wird unübersichtlich, die Automatisierung bricht bei Sonderfällen ab, und die Kosten der Plattform steigen mit jeder Ausführung.
Der nächste Schritt ist eine eigene Web-App, die auf den bisherigen Erfahrungen aufbaut: Die No-Code-Phase hat gezeigt, welche Felder und Schritte wirklich gebraucht werden. Das ist ein sinnvoller Verlauf, kein Fehler. Wie wir solche Anwendungen bauen, zeigt die Seite Web-App entwickeln lassen; wie KI einfache Abläufe automatisiert, steht unter KI-Automatisierung für KMU.
Weiterführende Seite
Make or BuyHäufige Fragen zu Low-Code und No-Code
No-Code kommt vollständig ohne Programmierung aus und richtet sich an Fachanwender. Low-Code arbeitet ebenfalls visuell, erlaubt aber an einzelnen Stellen eigenen Code für Logik oder Schnittstellen, und richtet sich eher an technisch versierte Anwender oder Entwickler, die schneller sein wollen.
Am Anfang meist ja. Über mehrere Jahre hängt es von Lizenzmodell, Nutzerzahl und Komplexität ab. Wenn die Kosten mit Nutzern oder Ausführungen steigen und die Anwendung zentral für das Geschäft wird, kann eigene Software über die Lebensdauer günstiger sein.
Die Daten lassen sich meist exportieren, die Logik und Oberfläche in der Regel nicht. Ein Wechsel bedeutet deshalb fast immer einen Neubau. Die Erfahrungen aus der Low-Code-Phase sind dafür aber eine wertvolle Vorlage.
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Low-Code und No-Code in der Praxis
Wie der Begriff im Alltag von Schweizer KMU auftaucht — vertieft in Artikeln aus dem DLM Magazin.