Microcopy.
Microcopy sind die kurzen Texte in einer Benutzeroberfläche, die durch Handlungen führen: Beschriftungen von Knöpfen, Formularfeldern und Menüs, Hinweise, Fehlermeldungen, Bestätigungen und leere Zustände. Sie entscheiden oft darüber, ob jemand ein Formular abschickt oder abbricht.
Microcopy — ausführlich erklärt
Microcopy umfasst alle Texte, die nicht gelesen, sondern benutzt werden. Dazu gehören der Text auf einem Call-to-Action-Knopf, die Beschriftung eines Formularfeldes, ein Hinweis unter dem Feld («Wir rufen nur zurück, wenn Sie das wünschen»), eine Fehlermeldung, eine Erfolgsmeldung nach dem Absenden, der Text in einem leeren Warenkorb, die Bezeichnungen im Menü und die Beschriftung in einem Cookie-Banner. Einzeln wirken sie unbedeutend, zusammen bilden sie das Gespräch zwischen Website und Mensch.
Gute Microcopy beantwortet die Frage, die sich jemand im Moment stellt. Vor dem Klick auf «Absenden»: Was passiert danach, und wie schnell meldet sich jemand? Vor dem Eingeben der Telefonnummer: Wofür wird sie gebraucht? Nach einem Fehler: Was genau ist falsch, und wie korrigiere ich es? Ein Knopf mit «Offerte anfragen» sagt mehr als «Senden», ein Hinweis «Antwort innert eines Arbeitstages» mehr als gar nichts, vorausgesetzt, das Versprechen stimmt.
Für die Barrierefreiheit ist Microcopy keine Kür, sondern Pflicht. Die WCAG verlangen dauerhaft sichtbare Beschriftungen von Formularfeldern (Platzhaltertext im Feld genügt nicht, weil er beim Tippen verschwindet), Fehlermeldungen, die das betroffene Feld benennen und einen Korrekturhinweis geben, und eindeutige Linktexte statt «hier klicken». Gute Microcopy ist damit zugleich verständlich für alle und zugänglich für Screenreader.
Microcopy gehört in die Gestaltung, nicht ans Ende. Wer Formulare mit Platzhalter «Lorem ipsum» entwirft und die Texte erst kurz vor dem Livegang ergänzt, merkt zu spät, dass ein Hinweis nicht in die vorgesehene Zeile passt oder ein Schritt ohne Erklärung unverständlich ist. Sinnvoll ist, Microcopy wie Komponenten im Design System zu pflegen: eine Liste wiederkehrender Formulierungen für Fehler, Bestätigungen und Knöpfe, damit dieselbe Situation überall gleich benannt wird. Ihre Wirkung lässt sich mit A/B-Tests und in Usability-Tests prüfen.
Regeln für gute Microcopy
Konkret statt allgemein: «Offerte anfragen» statt «Senden», «Termin wählen» statt «Weiter». Die Handlung beschreiben, nicht die Technik. Unsicherheit vorwegnehmen: kurz sagen, warum ein Feld nötig ist, was nach dem Absenden passiert und was kostenlos oder unverbindlich ist, aber nur, wenn es wirklich stimmt. Fehler freundlich und präzise benennen: «Bitte geben Sie eine Postleitzahl mit vier Ziffern ein» statt «Ungültige Eingabe».
Einheitlich bleiben: dieselben Begriffe für dieselben Dinge, eine Anrede (Sie oder du) durchgehend, ein Tonfall, der zur Marke passt. Kurz bleiben, aber nicht auf Kosten der Verständlichkeit. Und nie Druck aufbauen, der nicht der Wahrheit entspricht; künstliche Verknappung oder beschämende Ablehnungstexte gehören zu den Dark Patterns.
Beispiel: Das Offertformular einer Schreinerei
Ein Beispiel: Eine Schreinerei hat ein Kontaktformular mit den Feldern «Name», «E-Mail», «Telefon», «Nachricht» und dem Knopf «Senden». Viele Besucher beginnen das Formular, schicken es aber nicht ab. In einer Überarbeitung bekommt der Knopf den Text «Unverbindliche Offerte anfragen», unter dem Telefonfeld steht «Optional, für Rückfragen zum Mass», das Nachrichtenfeld erhält die Frage «Was möchten Sie bauen lassen? Masse und Fotos helfen uns».
Nach dem Absenden zeigt eine Bestätigung, wer sich meldet und in welchem Zeitraum. Fehlermeldungen stehen direkt beim Feld. Ob die Änderung wirkt, wird an der Abschlussquote des Formulars gemessen, nicht am Bauchgefühl. Solche Feinarbeit ist Teil unserer Conversion-Rate-Optimierung und jeder Arbeit unserer UX-Agentur.
Weiterführende Seite
Call-to-Action (CTA)Häufige Fragen zu Microcopy
Idealerweise beide gemeinsam. Microcopy ist Teil der Gestaltung, weil sie Platz, Hierarchie und Ablauf beeinflusst, und Teil des Textes, weil sie zur Sprache der Marke passen muss. In kleinen Teams übernimmt oft die Person, die die Oberfläche entwirft, mit einer Textprüfung durch das Marketing.
Nein. Platzhaltertext verschwindet beim Tippen, ist oft kontrastarm und wird von Hilfstechnologien nicht zuverlässig vorgelesen. Jedes Feld braucht eine dauerhaft sichtbare Beschriftung. Ein Platzhalter darf zusätzlich ein Beispiel zeigen.
Ja, etwa über die Abschlussquote eines Formulars, Abbrüche in einzelnen Schritten, Klickraten auf Knöpfe oder die Zahl der Rückfragen. Bei genügend Besuchern eignen sich A/B-Tests; bei wenig Verkehr liefern Usability-Tests mit wenigen Personen gute Hinweise.
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