Skip to main content

Kontakt

Was interessiert Sie?

Zurück zum Glossar (W)
Glossar · W

WCAG (Web Content Accessibility Guidelines).

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind der internationale Standard des W3C für barrierefreie digitale Inhalte. Sie ordnen alle Anforderungen vier Prinzipien zu — wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust — und definieren drei Konformitätsstufen: A, AA und AAA. Praktisch massgeblich ist Stufe AA nach WCAG 2.2.

WCGLOSSARDLM Digital

WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) — ausführlich erklärt

Die WCAG sind hierarchisch aufgebaut. Zuoberst stehen vier Prinzipien: Inhalte müssen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. Darunter liegen Richtlinien als allgemeine Ziele, darunter die Erfolgskriterien — prüfbare Aussagen, die entweder erfüllt sind oder nicht. Jedes Erfolgskriterium ist einer Stufe zugeordnet: A als Minimum, AA als praktischer Massstab, AAA als Höchstmass, das für ganze Websites selten vollständig erreichbar ist. Die Versionen bauen aufeinander auf: WCAG 2.0 erschien 2008, WCAG 2.1 im Jahr 2018, WCAG 2.2 ist seit Oktober 2023 W3C-Empfehlung. Eine Nachfolgegeneration wird erarbeitet, ist aber Entwurf und für die Praxis nicht anwendbar.

Stufe AA verlangt Dinge, die messbar sind. Textkontrast mindestens 4,5:1, für grosse Schrift und für die Umrisse von Bedienelementen mindestens 3:1. Vollständige Tastaturbedienbarkeit ohne Fokusfalle, mit sichtbarem Fokus. Sinnvolle Alternativtexte, Untertitel für Videos, eine korrekte Überschriftenhierarchie, Formularfelder mit dauerhaft sichtbarer Beschriftung sowie Fehlermeldungen, die das betroffene Feld benennen und einen Korrekturhinweis geben. WCAG 2.2 hat ergänzt: Bedienflächen von mindestens 24 mal 24 CSS-Pixeln, eine Alternative zu Ziehbewegungen, konsistent platzierte Hilfe und Anmeldeverfahren, die kein Auswendiglernen erzwingen.

Ein konkreter Fall aus der Praxis, der fast immer auftritt: das Anfrageformular mit einem Button in der Akzentfarbe. Ein helles Signalgrün auf weissem Grund sieht kräftig aus und erreicht gegen Weiss keine 4,5:1 — weisser Text darauf fällt durch, dunkler Text darauf besteht. Dieselbe Prüfung betrifft Platzhaltertexte in Feldern, deaktivierte Buttons und graue Hinweistexte. Die Lösung ist kein Verzicht auf die Marke, sondern eine zweite, dunklere Variante derselben Farbe für Text und Umrisse. Wer solche Werte einmal als Design Token hinterlegt, prüft sie einmal und nicht bei jeder neuen Seite von Neuem.

Konformität wird pro Seite und pro Prozess erklärt, nicht pauschal für eine Website. Automatisierte Werkzeuge wie Lighthouse oder axe finden erfahrungsgemäss nur einen Teil der Verstösse, weil sich Verständlichkeit, sinnvolle Reihenfolge und passende Alternativtexte nicht maschinell beurteilen lassen — die manuelle Prüfung mit Tastatur und Screenreader bleibt nötig. Die ehrliche Abgrenzung: Sogenannte Overlay-Werkzeuge, die per Skript nachträglich Barrierefreiheit versprechen, ersetzen keine Konformität; sie werden von Betroffenenverbänden überwiegend kritisch beurteilt. Die Rechtslage in der Schweiz und der EU behandelt der Eintrag Digitale Barrierefreiheit.

Weiterführende Seite

Digitale Barrierefreiheit

Häufige Fragen zu WCAG (Web Content Accessibility Guidelines)

In aller Regel Stufe AA nach WCAG 2.2. Stufe A allein genügt für keinen gängigen rechtlichen oder vertraglichen Massstab, Stufe AAA ist für vollständige Websites kaum durchgängig erreichbar und wird deshalb selten gefordert. Sinnvoll ist, AA als verbindliche Vorgabe zu setzen und einzelne AAA-Kriterien dort zu übernehmen, wo sie leicht zu erfüllen sind — etwa höhere Kontraste im Fliesstext.

WCAG 2.2 ergänzt vor allem Kriterien für motorisch und kognitiv eingeschränkte Nutzung: eine Mindestgrösse für Bedienflächen, eine Alternative zu Ziehbewegungen, ein besser erkennbarer Tastaturfokus, konsistent platzierte Hilfsangebote, keine erneute Eingabe bereits erfasster Angaben und Anmeldeverfahren ohne Gedächtnistest. Ein einzelnes Kriterium zur Bedienung per Zeigegerät wurde entfernt. Wer 2.1 erfüllt, hat den Grossteil des Wegs hinter sich.

Nein. Overlays sind Skripte, die eine bestehende Seite im Browser nachträglich anpassen — meist mit Kontrast- und Schriftgrössenschaltern. Sie beheben die Ursachen nicht: fehlende Beschriftungen, falsche Überschriftenstruktur, unbedienbare Eigenbau-Elemente bleiben bestehen und können durch das Overlay zusätzlich gestört werden. Konformität entsteht im Markup und im Design, nicht in einer nachgeladenen Ebene darüber.

Bereit für Ihr Projekt?

Wenden Sie dieses Wissen auf Ihre Website an — DLM Digital hilft Ihnen dabei.