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Lead Scoring.

Lead Scoring vergibt Punkte an Kontakte, um sie nach Kaufwahrscheinlichkeit zu sortieren. Die Punkte stammen aus zwei Quellen: Angaben über Person und Unternehmen (Passung) und beobachtetes Verhalten (Interesse). Ab einer festgelegten Punktzahl gilt ein Kontakt als übergabereif — die Schwelle ist eine betriebliche Entscheidung, kein Branchenwert.

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Lead Scoring — ausführlich erklärt

Der Zweck ist Reihenfolge, nicht Aussortieren. Kommen mehr Anfragen herein, als sorgfältig bearbeitet werden können, entscheidet ohne Modell die Reihenfolge des Eingangs oder das Bauchgefühl darüber, wer zuerst einen Anruf bekommt. Lead Scoring ersetzt das durch eine nachvollziehbare Regel. Wichtig ist die Betonung auf nachvollziehbar: Ein Modell, dessen Punktevergabe niemand erklären kann, wird vom Vertrieb ignoriert — und ein ignoriertes Modell ist schlechter als gar keines, weil es zusätzlich Pflegeaufwand verursacht.

Ein einfaches Modell hat vier Bestandteile. Passungspunkte für Merkmale, die zum Angebot gehören: Branche, Grösse, Region, Funktion der Person. Verhaltenspunkte für Handlungen, die Kaufinteresse anzeigen: Aufruf der Preisseite, wiederholte Besuche, Download eines Angebotsdokuments, Antwort auf eine Mail. Minuspunkte für Signale, die dagegen sprechen: Abmeldung vom Newsletter, Bewerbungsseite aufgerufen, Adresse eines Mitbewerbers, private Freimail-Adresse im B2B. Und ein Verfall, der Punkte nach einigen Wochen ohne Aktivität wieder abbaut, damit alte Begeisterung nicht ewig weiterzählt.

Ein Beispiel: Ein Beratungsunternehmen erhält monatlich rund sechzig Anfragen und kann etwa zwanzig davon gründlich bearbeiten. Statt der Reihe nach vorzugehen, vergibt es Punkte für Unternehmensgrösse, Kanton, Rolle der anfragenden Person und für den Besuch der Honorarseite; Bewerbungen und Anfragen ausserhalb des Angebots erhalten Minuspunkte. Die zwanzig höchsten Punktzahlen werden zuerst kontaktiert, der Rest erhält eine schnelle, standardisierte Antwort. Nach drei Monaten wird geprüft, ob die tatsächlich gewonnenen Aufträge oben in der Liste standen. Genau diese Rückprüfung macht aus einer Vermutung ein Modell.

Lead Scoring ist die falsche Investition, wenn die Rückkopplung fehlt. Wer nicht erfasst, welche Kontakte am Ende zu Aufträgen wurden, kann die Gewichte nie korrigieren — die Punkte bleiben dann eine formalisierte Meinung. Ebenso wenig lohnt es sich bei geringen Mengen: Bei einer Handvoll Anfragen im Monat ist eine sorgfältige manuelle Sichtung schneller und genauer als jedes Regelwerk. Und schliesslich braucht ein Modell Pflege. Ändert sich das Angebot oder die Zielgruppe, veralten die Gewichte still — ein Termin zur Überprüfung gehört von Anfang an dazu.

Weiterführende Seite

Marketing Qualified Lead (MQL)

Häufige Fragen zu Lead Scoring

Nicht zwingend für den Anfang. Ein einfaches Modell mit fünf bis acht Kriterien lässt sich in einer Tabelle führen, solange die Menge überschaubar bleibt. Ein CRM lohnt sich, sobald Verhaltensdaten automatisch einfliessen sollen, mehrere Personen gleichzeitig arbeiten oder die Historie über Monate nachvollziehbar bleiben muss. Der häufigere Fehler ist nicht das fehlende Werkzeug, sondern ein Modell, dessen Treffer niemand nachträglich prüft.

Die Schwelle wird aus der eigenen Kapazität abgeleitet, nicht aus einem Richtwert. Praktikabel ist die Rückwärtsrechnung: Wie viele Kontakte kann der Vertrieb pro Woche sorgfältig bearbeiten? Die Schwelle wird so gelegt, dass ungefähr diese Anzahl sie überschreitet. Danach wird sie anhand der Ergebnisse angepasst — zu viele wertlose Übergaben heisst Schwelle anheben, zu viel Leerlauf heisst senken.

Der bewusste Abzug von Punkten für Signale, die gegen einen Abschluss sprechen. Typische Beispiele sind der Aufruf der Stellenseite, eine Abmeldung vom Newsletter, eine Mailadresse eines Mitbewerbers oder ein Standort ausserhalb des Liefergebiets. Ohne Minuspunkte klettern gerade sehr aktive, aber ungeeignete Kontakte nach oben — Bewerberinnen und Studierende erzeugen oft mehr Seitenaufrufe als tatsächliche Interessenten.

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