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Atomic Design.
Atomic Design ist ein von Brad Frost 2013 beschriebenes Ordnungsmodell für Benutzeroberflächen. Es zerlegt ein Interface in fünf Stufen — Atome, Moleküle, Organismen, Templates und Pages — und setzt jede grössere Einheit ausschliesslich aus kleineren zusammen. Es beschreibt eine Hierarchie von Bausteinen, keine Reihenfolge von Arbeitsschritten.
Atomic Design — ausführlich erklärt
Die fünf Ebenen lassen sich an einem Beispiel durchgehen. Atome sind die kleinsten Einheiten, die für sich allein wenig Sinn ergeben: eine Beschriftung, ein Eingabefeld, ein Button, ein Symbol. Moleküle sind kleine Gruppen davon mit einer klaren Aufgabe, etwa ein Suchfeld aus Beschriftung, Eingabefeld und Button. Organismen sind grössere, eigenständige Abschnitte wie eine Kopfzeile, eine Produktkarte oder ein vollständiges Anfrageformular. Templates sind Seitengerüste, in denen diese Bausteine angeordnet sind, aber noch Platzhalterinhalte stehen. Pages sind dieselben Templates mit echten Inhalten und dienen der Prüfung des Ganzen.
Die letzten beiden Ebenen werden am häufigsten übergangen und sind die wichtigsten. Erst mit echten Inhalten zeigt sich, ob ein System trägt: ein Produktname über drei Zeilen, ein fehlendes Bild, eine Preisangabe mit vier Stellen, ein leerer Zustand ohne Ergebnisse, eine Fehlermeldung über zwei Zeilen. Komponentenbibliotheken, die nur im Katalog geprüft werden, sehen dort tadellos aus und brechen in der Anwendung. Deshalb gehört zu jedem Organismus die Festlegung seiner Zustände — Standard, Hover, Fokus, deaktiviert, ladend, leer, fehlerhaft — und nicht nur sein Idealfall.
In der Umsetzung mit React oder Next.js schlägt sich das Modell direkt in der Ordnerstruktur und in der Dokumentation nieder. Ein Anfrageformular wird einmal als Organismus gebaut, samt Validierung, Fehlermeldungen und Bestätigungszustand, und danach auf zwölf Leistungsseiten eingesetzt. Zeigt ein Test, dass die Fehlermeldung zu spät erscheint, wird das an genau einer Stelle korrigiert und wirkt überall. Ohne diese Ordnung entstehen zwölf leicht abweichende Formulare, von denen drei die Pflichtfelder anders behandeln — ein Problem, das erst im Betrieb auffällt und dann teuer nachgezogen wird.
Die ehrliche Abgrenzung: Die Chemie-Metapher erzeugt Grenzfälle, die niemandem helfen. Ob eine Karte mit Bild, Titel und Button ein Molekül oder ein Organismus ist, lässt sich lange diskutieren, ohne dass die Antwort etwas verbessert. Viele Teams verwenden deshalb heute flachere Einteilungen mit zwei oder drei Kategorien und behalten nur das Prinzip: Grosses wird aus Kleinem zusammengesetzt, jede Einheit hat eine Zuständigkeit. Wer neu startet, übernimmt die Idee der Komposition und benennt die Ebenen so, wie es im eigenen Team verstanden wird. Der übergeordnete Rahmen bleibt das Design System, die Werte darin sind Design Tokens.
Weiterführende Seite
Design TokenHäufige Fragen zu Atomic Design
Eine Struktur. Das Modell sagt, wie Bausteine zueinander stehen, nicht in welcher Reihenfolge gearbeitet wird. In der Praxis beginnt Gestaltung fast immer bei ganzen Seiten, weil sich nur dort beurteilen lässt, ob etwas funktioniert; die kleineren Einheiten werden daraus abgeleitet. Wer streng von unten nach oben arbeitet, baut Bausteine ohne Anwendungsfall und merkt zu spät, dass Kombinationen fehlen.
Atomic Design ist eine mögliche Gliederung innerhalb eines Design Systems, nicht dessen Ersatz. Ein Design System umfasst zusätzlich Tokens, Nutzungsregeln, Vorgaben zur Barrierefreiheit, Dokumentation und einen Prozess für Änderungen. Die Gliederung nach Ebenen beantwortet nur die Frage, wo ein Baustein einsortiert wird — nicht, wann er verwendet werden darf und wer über Änderungen entscheidet.
Meistens nicht in voller Form. Für eine Website mit acht Seiten genügt eine flache Komponentenordnung mit klaren Zuständigkeiten. Wertvoll bleibt trotzdem eine Regel aus dem Modell: wiederkehrende Elemente genau einmal bauen und überall einbinden. Der Aufwand einer fünfstufigen Gliederung samt Katalog lohnt sich, sobald mehrere Personen parallel arbeiten oder ein zweites Produkt dieselben Bausteine nutzt.
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