Wireframe, Mockup, Prototyp: der Unterschied und wann Sie welchen Schritt brauchen
Wireframe, Mockup und Prototyp werden oft verwechselt, dabei beantwortet jeder Schritt eine andere Frage: Was steht wo? Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich an? Dieser Artikel erklärt die drei Stufen im Website- und App-Projekt, zeigt, was in jede gehört, wer was beurteilen sollte und wann sich ein Schritt überspringen lässt, mit Beispiel aus einem Schweizer KMU.

Ein WireframeEin Wireframe ist ein schematischer Entwurf einer Seite oder eines Screens, der Struktur, Inhalte und Funktionen ohne finale Gestaltung zeigt. Er klärt früh,…Mehr erfahren → ist ein schematischer Entwurf ohne Farben und Bilder, der zeigt, welche Inhalte wo stehen. Ein MockupEin Mockup ist eine visuell ausgearbeitete, aber nicht funktionsfähige Darstellung einer Website, App oder eines Produkts. Es zeigt Farben, Schriften, Bilder…Mehr erfahren → ist ein visuell ausgearbeiteter, aber statischer Entwurf, der zeigt, wie die Seite aussieht. Ein Prototyp lässt sich bedienen und zeigt, wie sich ein Ablauf anfühlt. Die drei Stufen bauen aufeinander auf: zuerst die Struktur, dann das Aussehen, dann das Verhalten. Nicht jedes Projekt braucht alle drei, aber jedes Projekt braucht Antworten auf alle drei Fragen.
Wer zum ersten Mal eine Website oder eine Web-AppEine Web-App ist eine Anwendung, die im Browser läuft und sich wie ein Programm bedienen lässt — mit Login, Eingaben, gespeicherten Daten und Abläufen. Anders…Mehr erfahren → in Auftrag gibt, bekommt diese Begriffe oft in der Offerte zu lesen, ohne dass jemand erklärt, worüber man in welcher Phase entscheidet. Das führt zu einem bekannten Problem: Beim Wireframe wird über Farben diskutiert, beim Mockup wird die Struktur grundsätzlich in Frage gestellt, und beim Prototyp merkt man, dass ein ganzer Schritt im Ablauf fehlt.
Die drei Stufen im Überblick
| Wireframe | Mockup | Prototyp | |
|---|---|---|---|
| beantwortet | Was steht wo? | Wie sieht es aus? | Wie funktioniert es? |
| Detailgrad | grob, Graustufen, Platzhalter | ausgearbeitet, Farben, Schriften, Bilder | grob bis ausgearbeitet, aber klickbar |
| bedienbar | nein | nein | ja |
| Beurteilen sollten | Geschäftsleitung, Fachpersonen, Vertrieb | Geschäftsleitung, Marketing, wer das Erscheinungsbild verantwortet | künftige Nutzer, Kunden, Sachbearbeitung |
| typische Fehler, die auffallen | fehlende Inhalte, falsche Reihenfolge, unklare Priorität | schwacher Kontrast, unpassende Bildsprache, uneinheitliche Elemente | fehlende Schritte, unklare Knöpfe, Sackgassen im Ablauf |
| Änderungsaufwand | sehr gering | gering | gering bis mittel, viel geringer als im Code |
Wireframe: die Struktur zuerst
Ein Wireframe ist das Drahtgitter einer Seite. Graue Kästen für Bilder, Linien für Text, Rechtecke für Knöpfe. Bewusst ohne Farben und ohne Gestaltung, damit sich die Diskussion um das Wesentliche dreht: Welche Inhalte braucht diese Seite? Was ist das Wichtigste? Was kommt zuerst?
Ein gutes Wireframe enthält:
- alle Inhaltsblöcke der Seite in ihrer Reihenfolge,
- die Hauptaussage und den wichtigsten Handlungsaufruf,
- die Navigation mit allen Hauptpunkten,
- Hinweise auf Funktionen, etwa «Formular mit fünf Feldern» oder «Karte mit Standort»,
- Varianten für Handy und Desktop, wenn sich die Anordnung stark unterscheidet.
Vor dem Wireframe steht oft die Frage, welche Seiten es überhaupt gibt und wie sie zusammenhängen. Das ist die Informationsarchitektur. Bei Abläufen über mehrere Schritte hilft zusätzlich ein User Flow, der zeigt, auf welchem Weg Besucher von der Startseite bis zur Anfrage gelangen.
Wireframes mit echten Texten
Platzhaltertext wie «Lorem ipsum» macht ein Wireframe schneller, aber weniger aussagekräftig. Schon grobe echte Überschriften zeigen, ob die Struktur trägt. Wenn sich für einen Block keine sinnvolle Überschrift finden lässt, braucht es den Block vermutlich nicht.Mockup: das Aussehen
Ein Mockup ist der Gestaltungsentwurf. Jetzt kommen Farben, Schriften, Bilder, Icons und Abstände dazu. Das Mockup zeigt, wie die fertige Seite aussehen wird, bis auf das Verhalten.
Hier wird über Wirkung entschieden: Passt die Bildsprache zur Firma? Ist der Kontrast ausreichend, auch auf dem Handy im Sonnenlicht? Wirken die Seiten einheitlich? Hilfreich ist ein Moodboard im Vorfeld, also eine Sammlung von Bildern, Farben und Beispielen, die die gewünschte Stimmung zeigen.
Bei grösseren Projekten entsteht aus den Mockups ein Design-System: eine Sammlung wiederverwendbarer Bausteine wie Knöpfe, Formularfelder, Karten und Farbwerte, damit neue Seiten später einheitlich aussehen. Wie Schriften ausgewählt und eingebunden werden, beschreibt Schriftarten für die Website.
Zur Begriffsverwirrung: «Mockup» heisst im Alltag auch die Darstellung eines Designs auf einem Gerät, etwa ein Website-Entwurf in einem Laptop- oder Handy-Rahmen für eine Präsentation. Das ist dasselbe Wort für einen anderen Zweck. Im Projektablauf ist mit Mockup der statische Gestaltungsentwurf gemeint.
Prototyp: das Verhalten
Ein Prototyp ist ein Entwurf, den man bedienen kann. Knöpfe führen zu anderen Bildschirmen, Menüs öffnen sich, Formulare zeigen Fehlermeldungen. Er kann auf Wireframes basieren, dann spricht man von einem groben Prototyp, oder auf Mockups, dann ist er ausgearbeitet.
Der Prototyp beantwortet die wichtigste Frage überhaupt: Können Menschen damit erledigen, wofür das Ganze gebaut wird? Um das herauszufinden, geben Sie fünf Personen aus der Zielgruppe je eine Aufgabe, etwa «Fragen Sie eine Offerte für eine Badsanierung an», und beobachten Sie, ohne zu helfen. Wie das geht, erklärt der Glossarbegriff Usability Testing.
Wichtig ist die Abgrenzung zu einem anderen Gebrauch des Wortes: In der Produktentwicklung meint «Prototyp» oft eine frühe, funktionierende Version einer neuen Anwendung, mit der getestet wird, ob Kunden das Produkt überhaupt wollen. Diese Bedeutung erklärt Proof of Concept, Prototyp oder MVP?. Im Design-Ablauf ist der Prototyp dagegen ein bedienbarer Entwurf, oft ganz ohne echte Datenbank dahinter.
Wann Sie welchen Schritt brauchen
| Projekt | Wireframe | Mockup | klickbarer Prototyp |
|---|---|---|---|
| kleine Firmenwebsite mit fünf bis zehn Seiten | kurz, oft nur für Startseite und eine Leistungsseite | ja | selten nötig |
| Website mit Anfragestrecke oder Konfigurator | ja | ja | für die Strecke ja |
| Onlineshop | ja, für Produkt- und Kassenseiten | ja | für den Bestellablauf empfehlenswert |
| Web-App oder KundenportalEin Kundenportal ist ein geschützter Bereich auf der Website eines Unternehmens, in dem Kunden nach dem Login ihre eigenen Daten, Dokumente, Aufträge oder…Mehr erfahren → | ja, für alle Kernbildschirme | ja, für Bausteine und Hauptansichten | ja |
| Relaunch einer bestehenden Website | auf Basis der heutigen Inhalte | ja | bei geänderten Abläufen |
Bei kleinen Websites wird heute oft direkt im Code gestaltet: Das Mockup entsteht im Browser, wo es sofort auf Handy und Desktop sichtbar ist. Das spart einen Zwischenschritt und ist bei bekannten Seitentypen sinnvoll. Je mehr Interaktion ein Projekt hat, desto wertvoller wird ein Prototyp vor der Programmierung. Wie das im Ablauf einer Web-App aussieht, zeigt Wie ein Web-App-Projekt abläuft.
Werkzeuge
Für Wireframes reichen Papier und Stift oder ein Whiteboard, gerade in der ersten Runde. Digitale Werkzeuge wie Figma erlauben es, aus Wireframes Mockups und daraus klickbare Prototypen zu machen, ohne das Werkzeug zu wechseln, und sie lassen mehrere Personen gleichzeitig kommentieren. Inzwischen erzeugen auch KI-Werkzeuge aus einer Beschreibung erste Entwürfe oder sogar lauffähige Oberflächen. Das beschleunigt den Start, ersetzt aber nicht die Entscheidung, was auf eine Seite gehört. Wo KI im Designprozess Zeit spart und wo nicht, beschreibt KI im Webdesign-Prozess.
Beispiel: Anfragestrecke für einen Gartenbaubetrieb
Konstruiertes Beispiel, kein Kundenfall. Ein Gartenbaubetrieb am Zürichsee möchte auf der neuen Website eine Anfragestrecke in mehreren Schritten: Art des Projekts, Grösse des Gartens, gewünschter Zeitraum, Fotos, Kontaktangaben.
- Wireframe: Fünf Bildschirme in Graustufen. Beim Durchgehen mit dem Inhaber fällt auf, dass «Unterhalt» und «Neugestaltung» ganz unterschiedliche Fragen brauchen. Die Strecke bekommt eine Verzweigung nach dem ersten Schritt.
- Mockup: Die Bildschirme in den Farben und Schriften der Website, mit Fotos aus eigenen Projekten. Diskutiert wird, ob die Auswahl als Karten mit Bild oder als Liste besser wirkt. Entschieden wird für Karten.
- Prototyp: Die Strecke wird klickbar gemacht und fünf Personen aus dem Bekanntenkreis gezeigt, die einen Garten haben. Zwei von fünf finden den Knopf zum Hochladen von Fotos nicht, weil er wie ein Hinweis aussieht. Das wird vor der Programmierung geändert.
Jede der drei Runden hat einen anderen Fehler gefunden. Keiner davon wäre im jeweils anderen Schritt aufgefallen.
Checkliste für Auftraggeber
- Beim Wireframe: Fehlt ein Inhalt? Stimmt die Reihenfolge? Ist klar, was die Besucher tun sollen? Über Farben noch nicht diskutieren.
- Beim Mockup: Passt die Wirkung zur Firma? Sind Texte lesbar, Knöpfe als Knöpfe erkennbar? Sehen alle Seiten aus wie aus einem Guss?
- Beim Prototyp: Selbst durchklicken und ein paar Menschen aus der Zielgruppe zuschauen. Nicht erklären, nur beobachten.
Wie wir arbeiten
Bei Websites gestalten wir je nach Projekt mit Wireframes und Mockups oder direkt im Code, siehe Webdesign. Ein erstes Konzept für Ihre Website gibt es als kostenloses Design-Konzept. Für Anwendungen mit vielen Abläufen setzen wir auf klickbare Prototypen vor der Entwicklung, beschrieben unter UX-Agentur Zürich und UI- und UX-Design. Soll eine neue Produktidee schnell mit echten Nutzern getestet werden, entsteht ein funktionierender Prototyp im Rahmen von Prototyp und Validierung.
Fazit
Wireframe, Mockup und Prototyp sind keine Bürokratie, sondern drei Gelegenheiten, Fehler zu finden, solange sie billig sind. Das Wireframe klärt die Struktur, das Mockup die Wirkung, der Prototyp den Ablauf. Wer bei jedem Schritt die passende Frage stellt und die richtigen Menschen urteilen lässt, spart sich die teuerste Art, einen Fehler zu entdecken: nach dem Livegang.
Häufige Fragen
Was ist ein Wireframe?+
Ein Wireframe ist ein schematischer Entwurf einer Seite oder eines Bildschirms, meist in Graustufen, ohne Farben, Bilder oder endgültige Texte. Er zeigt, welche Inhalte und Funktionen es gibt und wo sie stehen. Ein Wireframe beantwortet die Frage nach Struktur und Reihenfolge, nicht nach dem Aussehen.
Was ist ein Mockup?+
Ein Mockup ist ein statischer, visuell ausgearbeiteter Entwurf: mit Farben, Schriften, Bildern, Abständen und möglichst echten Texten. Es zeigt, wie die Seite fertig aussehen wird, lässt sich aber nicht bedienen. Der Begriff wird auch für Darstellungen eines Designs auf einem Gerät verwendet, etwa einen Website-Entwurf in einem Laptop- oder Handy-Rahmen.
Was ist der Unterschied zwischen Mockup und Prototyp?+
Ein Mockup ist ein Bild, ein Prototyp lässt sich bedienen. Im Prototyp können Sie klicken, Menüs öffnen, Formulare ausfüllen und von Seite zu Seite navigieren. Damit lässt sich testen, ob Menschen eine Aufgabe ohne Hilfe erledigen können. Ein Prototyp kann grob oder sehr ausgearbeitet sein, entscheidend ist die Interaktion.
Braucht jedes Projekt alle drei Schritte?+
Nein. Bei einer kleinen Website mit bekannten Seitentypen werden Wireframe und Mockup oft zusammengelegt oder es wird direkt im Code gestaltet. Bei Web-Apps, Buchungsstrecken oder Konfiguratoren mit vielen Schritten lohnt sich ein klickbarer Prototyp fast immer, weil Fehler im Ablauf dort am teuersten werden.
Über den Autor
Daniel MüllerSenior Developer & SEO-Stratege
Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.


