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Digital Business

UX-Audit: was er auf einer Website prüft, wie er abläuft und was er bringt

Ein UX-Audit prüft, ob Besucher auf einer Website oder in einer Web-App ohne Hürden erledigen können, wofür sie gekommen sind. Dieser Artikel erklärt die vier Prüfmethoden von Heuristiken bis Nutzertest, die typischen Prüfbereiche, das Ergebnis, das Sie erwarten dürfen, und wann ein Audit sinnvoller ist als ein Redesign, mit Beispiel aus einem Schweizer KMU.

Daniel Müller9 Min. Lesezeit
UX-Audit: was er auf einer Website prüft, wie er abläuft und was er bringt

Ein UX-Audit prüft systematisch, wie gut Menschen eine Website oder Web-AppEine Web-App ist eine Anwendung, die im Browser läuft und sich wie ein Programm bedienen lässt — mit Login, Eingaben, gespeicherten Daten und Abläufen. Anders…Mehr erfahren → bedienen können, und ob sie dort erledigen, wofür sie gekommen sind: eine Information finden, eine Offerte anfragen, einen Termin buchen. Dafür werden vier Methoden kombiniert: eine Expertenbewertung nach anerkannten Heuristiken, die Auswertung von Nutzungsdaten, kurze Tests mit echten Nutzern und eine Prüfung der Barrierefreiheit. Das Ergebnis ist eine priorisierte Liste von Problemen mit konkreten Empfehlungen, geordnet nach Wirkung und Aufwand.

Viele KMU merken, dass ihre Website weniger bringt, als sie könnte, ohne genau zu wissen, warum. Die Besucherzahlen stimmen, aber Anfragen bleiben aus. Oder Kunden rufen an, um Dinge zu fragen, die eigentlich auf der Website stehen. Ein UX-Audit sucht die Ursachen dort, wo sie meistens liegen: an den Stellen, an denen Besucher zögern, suchen oder aufgeben.

Was ein UX-Audit prüft

Ein Audit konzentriert sich auf die Ziele der Website. Bei einer Dienstleistungswebsite ist das meist die Anfrage, bei einem Shop die Bestellung, bei einer Web-App ein bestimmter Ablauf. Geprüft werden die Wege dorthin, nicht jede einzelne Seite gleich gründlich.

Bereichtypische Fragen
OrientierungVerstehen Besucher in wenigen Sekunden, was angeboten wird und für wen? Wissen sie, wo sie sind?
NavigationFinden sie die wichtigsten Leistungen? Sind Menüpunkte verständlich benannt?
InhalteBeantworten die Seiten die Fragen, die Kunden vor einer Anfrage haben: Preis, Ablauf, Dauer, Region?
VertrauenGibt es Referenzen, Ansprechpersonen, klare Kontaktangaben, nachvollziehbare Zusagen?
Formulare und AbläufeLassen sich Anfrage, Buchung oder Bestellung ohne Hilfe abschliessen? Sind Fehlermeldungen verständlich?
HandyFunktioniert alles mit dem Daumen, auf kleinem Bildschirm, im Mobilfunknetz?
LadezeitIst der Hauptinhalt schnell sichtbar? Reagiert die Seite flüssig auf Eingaben?
BarrierefreiheitSind Kontraste ausreichend, Bilder beschrieben, Formulare mit Tastatur und Screenreader bedienbar?

Die vier Methoden

1. Expertenbewertung nach Heuristiken

Eine erfahrene Person geht die Website Schritt für Schritt durch und prüft sie gegen bewährte Grundsätze. Am bekanntesten sind die zehn Usability-Heuristiken von Jakob Nielsen, veröffentlicht 1994 und bis heute von der Nielsen Norman Group gepflegt. Dazu gehören etwa:

  • Sichtbarkeit des Systemzustands: Zeigt die Website, was gerade passiert, etwa ob ein Formular gesendet wurde?
  • Übereinstimmung mit der realen Welt: Spricht sie die Sprache der Nutzer statt interner Begriffe?
  • Konsistenz: Sehen gleiche Dinge gleich aus und verhalten sich gleich?
  • Fehler vermeiden: Verhindert die Gestaltung typische Fehler, bevor sie passieren?
  • Wiedererkennen statt Erinnern: Müssen Nutzer sich Informationen merken, oder sehen sie sie, wenn sie sie brauchen?
  • Hilfe bei Fehlern: Erklären Fehlermeldungen in klarer Sprache, was zu tun ist?

Die Expertenbewertung ist schnell und findet viele offensichtliche Probleme. Ihre Grenze: Auch Fachleute sind keine echten Kunden. Wie Texte in Knöpfen, Formularen und Fehlermeldungen besser führen, beschreibt UX Writing.

2. Auswertung von Nutzungsdaten

Wo sind Besucher tatsächlich unterwegs, und wo steigen sie aus? Daten aus Google Analytics 4 oder einer datenschutzfreundlichen Alternative zeigen:

  • auf welchen Seiten Besucher ankommen, oft nicht auf der Startseite,
  • wie viele ein Formular beginnen und wie viele es abschliessen,
  • auf welchen Geräten sie unterwegs sind,
  • welche Seiten im Verhältnis zu ihrer Bedeutung kaum besucht werden.

Ergänzend zeigen Heatmaps und Sitzungsaufzeichnungen, wo geklickt und wie weit gescrollt wird. Diese Werkzeuge brauchen aber eine saubere datenschutzrechtliche Grundlage. Wie Sie Ihre Website mit Bordmitteln selbst analysieren, zeigt Website analysieren: Anleitung.

Daten sagen, wo etwas schiefgeht. Warum, zeigen sie selten.

3. Tests mit echten Nutzern

Das Warum zeigt sich, wenn man Menschen bei der Nutzung zuschaut. Beim Usability Testing bekommen Personen aus der Zielgruppe eine realistische Aufgabe, etwa «Finden Sie heraus, was eine Badsanierung ungefähr kostet, und fragen Sie eine Offerte an», und werden dabei beobachtet. Sie denken laut, die testende Person hilft nicht.

Es braucht dafür keine grossen Stichproben. Jakob Nielsen hat im Artikel «Why You Only Need to Test with 5 Users» (Nielsen Norman Group, 19.03.2000) begründet, dass fünf Testpersonen einen Grossteil der Usability-Probleme aufdecken und weitere Personen zunehmend Wiederholungen bringen. Er empfiehlt mehrere kleine Testrunden statt eines grossen Tests. Für ein KMU heisst das: Fünf Termine à 30 Minuten liefern oft mehr Erkenntnis als jede Umfrage.

4. Prüfung der Barrierefreiheit

Eine zugängliche Website ist für alle besser bedienbar, nicht nur für Menschen mit Behinderung. Geprüft wird gegen die Richtlinie WCAG: Kontraste, Alternativtexte für Bilder, Bedienbarkeit mit der Tastatur, verständliche Formulare, Darstellung bei starkem Zoom. Automatische Werkzeuge wie Lighthouse finden einen Teil der Probleme, eine manuelle Prüfung mit Tastatur und Screenreader den Rest. Einen ausführlichen Leitfaden bietet Barrierefreies Webdesign.

Wie ein Audit abläuft

  1. Ziele klären: Was soll die Website erreichen? Welche Besuchergruppen sind wichtig? Welche Probleme sind bereits bekannt?
  2. Daten sichten: Nutzungsdaten der letzten Monate, Formularabschlüsse, Geräteverteilung, häufige Kundenfragen am Telefon.
  3. Expertenbewertung: Durchgang durch die wichtigsten Wege auf Desktop und Handy, dokumentiert mit Screenshots.
  4. Nutzertests: fünf Personen, zwei bis drei Aufgaben, Beobachtung und Notizen.
  5. Barrierefreiheit: automatische Prüfung plus manuelle Stichprobe.
  6. Auswertung: Befunde zusammenführen, nach Schwere und Häufigkeit gewichten.
  7. Massnahmenliste: jede Empfehlung mit Begründung, geschätzter Wirkung und Aufwand.

Für den Handy-Teil lässt sich vieles bereits vorab selbst prüfen, mit der Anleitung Responsive Design prüfen.

Was am Ende auf dem Tisch liegt

Ein brauchbares Audit-Ergebnis ist keine Note und kein Punktwert, sondern eine Arbeitsliste. Bewährt hat sich eine Einteilung nach Wirkung und Aufwand:

geringer Aufwandgrosser Aufwand
grosse Wirkungsofort umsetzen, etwa Knopftexte, Kontaktangaben, Formularfelderplanen, etwa neue Anfragestrecke, überarbeitete Navigation
kleine Wirkungbei Gelegenheit erledigenzurückstellen oder streichen

Jeder Befund sollte belegt sein: mit Screenshot, Beobachtung aus dem Nutzertest oder Zahl aus den Nutzungsdaten. Befunde ohne Beleg sind Meinungen.

Typische Befunde auf KMU-Websites

  • Unklare Hauptaussage: Die Startseite sagt, wie engagiert die Firma ist, aber nicht, was sie für wen tut.
  • Leistungen nach innerer Logik sortiert: Menüpunkte folgen der Organisation des Betriebs, nicht den Fragen der Kunden.
  • Preis und Ablauf fehlen: Besucher wollen vor einer Anfrage wissen, womit sie ungefähr rechnen müssen und wie es abläuft.
  • Zu lange Formulare: Fragen, die erst nach dem ersten Gespräch nötig wären, stehen bereits im Formular.
  • Kontakt auf dem Handy schwer erreichbar: Telefonnummer nicht antippbar, Kontaktknopf am Seitenende.
  • Fehlende Bestätigung: Nach dem Absenden bleibt offen, ob die Anfrage angekommen ist.

Beispiel: UX-Audit für einen Sanitärbetrieb

Konstruiertes Beispiel, kein Kundenfall. Ein Sanitärbetrieb im Kanton Aargau hat eine Website mit stabilen Besucherzahlen, aber kaum Anfragen über das Formular. Die meisten Kunden rufen an, oft mit Fragen, die auf der Website beantwortet wären.

  • Daten: Die meisten Besucher kommen über Google direkt auf die Seite «Badsanierung», fast alle auf dem Handy. Viele öffnen das Formular, wenige senden es ab.
  • Expertenbewertung: Auf der Seite «Badsanierung» fehlen Ablauf und Richtwerte zur Dauer. Das Formular hat 14 Felder, darunter Fragen nach Rohrmaterial und Baujahr.
  • Nutzertest: Drei von fünf Personen brechen das Formular beim Feld «Baujahr der Liegenschaft» ab, weil sie es nicht wissen. Zwei suchen vergeblich nach Fotos von früheren Projekten.
  • Barrierefreiheit: zu geringer Kontrast der grauen Hinweistexte, Formularfelder ohne verknüpfte Beschriftung.

Massnahmen mit grosser Wirkung und geringem Aufwand: Formular auf sechs Felder kürzen, Pflichtfeld Baujahr streichen, Ablauf in fünf Schritten auf der Seite ergänzen, Projektfotos einbinden. Ob das die Anfragen erhöht, zeigt die Messung in den folgenden Wochen. Ein Neubau der Website ist dafür nicht nötig.

Audit oder Redesign?

Ein Redesign ist sinnvoll, wenn die Technik veraltet ist, das Erscheinungsbild nicht mehr passt oder die Website grundlegend neu strukturiert werden muss. Ein Audit ist sinnvoll, um herauszufinden, ob es überhaupt einen Neubau braucht, und vor jedem Redesign, damit die bekannten Probleme nicht ins neue Design übernommen werden. Oft zeigt sich, dass gezielte Korrekturen schneller und günstiger wirken.

Bei DLM Digital prüfen wir Websites und Web-Apps auf Bedienbarkeit im Rahmen unserer UX-Leistungen und des UI- und UX-Designs. Geht es zusätzlich um Technik, Ladezeit und Auffindbarkeit, ist das Website-Audit der passende Rahmen. Werden aus den Befunden laufende Verbesserungen an Formularen und Anfragewegen, gehört das zur Conversion-Rate-Optimierung. Und wenn das Audit zeigt, dass ein Neubau nötig ist, folgt das Website-Redesign.

Fazit

Ein UX-Audit ersetzt Vermutungen durch Beobachtungen. Heuristiken finden die offensichtlichen Probleme, Nutzungsdaten zeigen, wo Besucher aussteigen, fünf echte Nutzer zeigen, warum, und die Barrierefreiheitsprüfung macht die Website für alle bedienbarer. Am Ende steht eine Arbeitsliste, die mit den einfachen Korrekturen mit grosser Wirkung beginnt. Für viele KMU ist das der günstigste Weg zu einer Website, die mehr Anfragen bringt, ohne sie neu zu bauen.

Häufige Fragen

Was ist ein UX-Audit?+

Ein UX-Audit ist eine systematische Prüfung, wie gut Menschen eine Website oder Anwendung bedienen können. Geprüft werden Navigation, Inhalte, Formulare, Abläufe, Darstellung auf dem Handy, Ladezeit und Barrierefreiheit, mit Methoden wie Expertenbewertung nach Heuristiken, Auswertung von Nutzungsdaten und Tests mit echten Nutzern. Ergebnis ist eine priorisierte Liste von Problemen mit Empfehlungen.

Was ist der Unterschied zwischen UX-Audit und SEO-Audit?+

Ein SEO-Audit prüft, ob Suchmaschinen eine Website finden, verstehen und gut einordnen können: Technik, Inhalte, Struktur, Verlinkung. Ein UX-Audit prüft, ob Menschen, die auf der Website ankommen, damit zurechtkommen und ihr Ziel erreichen. Beide überschneiden sich bei Ladezeit, mobiler Darstellung und Inhaltsstruktur, beantworten aber unterschiedliche Fragen.

Wie viele Nutzer braucht ein Usability-Test?+

Für einen qualitativen Test, der die grössten Probleme aufdecken soll, reichen oft fünf Personen aus der Zielgruppe. Jakob Nielsen hat das im Artikel «Why You Only Need to Test with 5 Users» der Nielsen Norman Group vom 19. März 2000 begründet: Danach finden fünf Testpersonen einen Grossteil der Usability-Probleme, weitere Personen bringen zunehmend Wiederholungen. Sinnvoller als ein grosser Test sind mehrere kleine Runden.

Wann lohnt sich ein UX-Audit?+

Wenn eine Website Besucher hat, aber wenig Anfragen bringt, wenn sich Kunden über Abläufe beschweren, vor einem geplanten Redesign, um die richtigen Prioritäten zu setzen, oder nach einem Relaunch, um zu prüfen, ob die neue Website im Alltag funktioniert. Ein Audit zeigt oft, dass gezielte Korrekturen mehr bringen als ein kompletter Neubau.

Über den Autor

Daniel Müller

Senior Developer & SEO-Stratege

Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.

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