Google Search Console für KMU: die Berichte, die wirklich zählen
Die Google Search Console ist kostenlos und zeigt, wie Google eine Website tatsächlich sieht. Die meisten KMU öffnen sie trotzdem nur, wenn eine Warnmail kommt. Diese Routine zeigt, welche zwei Berichte genügen, wie man den Leistungsbericht nach Positionsbändern liest und was unsere eigene Domain dabei offengelegt hat.

Die Google Search Console zeigt, wie Google deine Website in der Suche sieht: für welche Suchanfragen sie erscheint, wie oft sie angeklickt wird, auf welcher Position sie steht und welche Seiten im Index sind. Für ein KMU genügen davon zwei Berichte, der Leistungsbericht und der Bericht zur Seitenindexierung, sofern man sie in der richtigen Reihenfolge und mit der richtigen Frage liest.
Das Werkzeug ist kostenlos und wird in der Schweiz rund 22'200-mal im Monat gesucht (Quelle: Google-Ads-Suchvolumen über DataForSEO, Schweiz, Deutsch, gemessen am 2026-09-23). Trotzdem öffnen viele Betriebe es nur, wenn Google eine Warnmail schickt. Dieser Beitrag ist keine Produkttour durch alle Menüpunkte, sondern eine Routine: was du einmal im Monat anschaust, wie du es liest und welche Fragen sich daraus ergeben. Als Beispiel dient unsere eigene Domain.
Was die Search Console misst und was nicht
Die Google Search Console misst, was vor dem Klick passiert. Google definiert vier Kennzahlen (Quelle: Search-Console-Hilfe, «Leistungsbericht», Stand: 2026-09-23):
| Kennzahl | Definition laut Google |
|---|---|
| Klicks | Anzahl Klicks aus den Google-Suchergebnissen auf deine Website |
| Impressionen | Wie oft deine Website in den Suchergebnissen erschienen ist |
| Klickrate (CTR) | Klicks geteilt durch Impressionen |
| Durchschnittliche Position | Durchschnittliche Position des höchsten Ergebnisses deiner Website |
Was nach dem Klick geschieht, also ob jemand eine Anfrage schickt oder nach zehn Sekunden wieder geht, zeigt die Search Console nicht. Dafür braucht es ein Analytics-Werkzeug. Beides zusammen ergibt erst das vollständige Bild, wie der Beitrag AI Overviews: Traffic-Effekt richtig messen am Beispiel der KI-Antworten zeigt.
Drei technische Grenzen sollte man kennen, bevor man Schlüsse zieht. Der Leistungsbericht umfasst rund 16 Monate. Die Oberfläche zeigt in Tabellen höchstens 1'000 Zeilen. Und sehr seltene Suchanfragen werden aus Datenschutzgründen anonymisiert und erscheinen nicht einzeln in der Tabelle (Quelle: Google Search Central Blog, «A deep dive into Search Console performance data filtering and limits», Stand: 2026-09-23). Die Summe der Tabellenzeilen ergibt deshalb oft weniger als die Gesamtzahl oben im Diagramm. Das ist kein Messfehler.
Der Leistungsbericht: erst nach Positionsbändern lesen
Die meisten Auswertungen beginnen mit der Durchschnittsposition der ganzen Website. Das ist der Wert mit der geringsten Aussagekraft. Eine Durchschnittsposition von 30 kann heissen, dass alles auf Seite drei steht, oder dass einige Seiten in den Top 3 stehen und sehr viele auf Seite sieben.
Aussagekräftig wird der Bericht, wenn du die Suchanfragen exportierst und nach Positionsbändern gruppierst: 1–3, 4–10, 11–20, 21–50 und schlechter. Für jedes Band summierst du Impressionen und Klicks. Das dauert mit einer Tabellenkalkulation zwanzig Minuten und beantwortet die wichtigste Frage: Hast du ein Klickproblem oder ein Positionsproblem?
Das Beispiel unserer eigenen Domain
Wir haben diese Auswertung für dlm-digital.ch mit einem Export der letzten sechs Monate gemacht (Stand der Daten: 18. August 2026). Das Ergebnis war unbequem:
| Position | Suchanfragen | Impressionen | Klicks |
|---|---|---|---|
| 1–3 | 6 | 383 | 21 |
| 3–10 | 81 | 4'982 | 12 |
| 10–20 | 138 | 10'370 | 5 |
| 20–30 | 170 | 16'758 | 1 |
| 30–50 | 320 | 36'603 | 2 |
| 50+ | 285 | 18'361 | 1 |
(Quelle: eigener Search-Console-Export, Suchtyp Web, 1'000 Suchanfragen, Stand: 2026-08-18)
Über alle Suchanfragen standen 87'457 Impressionen nur 42 Klicks gegenüber, eine Klickrate von 0,05 Prozent. Der naheliegende Reflex wäre gewesen, Titel und Beschreibungen umzuschreiben, um die Klickrate zu verbessern. Die Tabelle zeigt, warum das nichts gebracht hätte: 82 Prozent aller Impressionen lagen jenseits von Position 20, 63 Prozent sogar jenseits von Position 30. Aus diesen Bändern kamen zusammen 4 von 42 Klicks. Dort gibt es strukturell kaum Klicks, egal wie gut der Titel formuliert ist. Das Problem war die Position, nicht der Text im Suchergebnis.
Daraus folgte eine klare Priorität: zuerst die Suchanfragen auf den Positionen 4 bis 20, im Fachjargon «Striking Distance». Sie brauchen keinen neuen Inhalt, sondern die Stärkung bestehender Seiten durch bessere Inhalte, interne Links und saubere Technik. Die Anfragen jenseits von Position 20 sind dagegen ein Hinweis darauf, dass Google die Seite zwar für thematisch passend hält, aber nicht für die beste Antwort.
Die Routine für den Monatsanfang
Zeitraum «letzte 3 Monate», Suchtyp Web, Tabelle «Suchanfragen» exportieren. In der Tabelle eine Spalte «Band» ergänzen und eine Pivot-Tabelle mit Impressionen und Klicks je Band erstellen. Danach dieselbe Auswertung für «Seiten». Nach drei Monaten siehst du, ob sich Impressionen aus den hinteren Bändern nach vorne verschieben. Das ist die ehrlichste Kennzahl für SEO-Fortschritt, die ein KMU ohne Zusatzwerkzeug bekommt.Filter, die sich lohnen
Der Leistungsbericht lässt sich nach Suchanfrage, Seite, Land, Gerät, Darstellung in der Suche und Datum filtern. Für Schweizer KMU sind drei Filter besonders nützlich:
- Land = Schweiz. Viele Schweizer Websites bekommen Impressionen aus Deutschland, die für das Geschäft irrelevant sind. Bei unserer Domain waren es gut 9'000 Impressionen aus Deutschland im selben Zeitraum.
- Gerät. Mobile und Desktop verhalten sich oft unterschiedlich. Bei uns lag die Durchschnittsposition auf dem Computer bei 32,2, auf Mobilgeräten bei 37,5.
- Markenbezogene Suchanfragen. Seit November 2025 bietet Google einen Filter, der Suchanfragen mit und ohne Markennamen automatisch trennt (Quelle: Google Search Central Blog, «Introducing the branded queries filter in Search Console», November 2025, Stand: 2026-09-23). Für KMU ist das wertvoll, weil Markensuchen die Zahlen schönen: Wer nach deinem Firmennamen sucht, kennt dich bereits.
Ebenfalls seit November 2025 lassen sich im Diagramm eigene Anmerkungen setzen, etwa «Relaunch» oder «neue Leistungsseiten online». Das ist unscheinbar, erspart aber nach einem Jahr die Frage, was im März eigentlich passiert ist.
Der Bericht zur Seitenindexierung: welche Seiten Google kennt
Der zweite Bericht beantwortet eine Vorfrage: Welche Seiten sind überhaupt im Index? Eine Seite, die nicht indexiert ist, kann nicht ranken, egal wie gut sie ist. Mehr zum Begriff selbst steht im Glossar unter Indexierung.
Die wichtigsten Status, die ein KMU im Bericht sieht (Quelle: Search-Console-Hilfe, «Bericht zur Seitenindexierung», Stand: 2026-09-23):
| Status | Bedeutung | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| Gecrawlt – zurzeit nicht indexiert | Google hat die Seite abgerufen, aber nicht aufgenommen | Bei wichtigen Seiten ja: Inhalt, Duplikate, interne Links prüfen |
| Gefunden – zurzeit nicht indexiert | Google kennt die URL, hat sie aber noch nicht gecrawlt | Bei vielen URLs: Crawl-Kapazität und Linkstruktur prüfen |
| Duplikat – Google hat eine andere Seite als kanonische Seite bestimmt | Google hält eine andere URL für das Original | Prüfen, ob Googles Wahl stimmt; sonst Canonical und Inhalt schärfen |
| Seite mit Weiterleitung | Die URL leitet weiter | Normal, solange interne Links auf das Ziel zeigen |
| Durch noindex-Tag ausgeschlossen | Die Seite ist bewusst vom Index ausgeschlossen | Nur prüfen, ob das gewollt ist |
Google hält ausdrücklich fest, dass nicht jede Seite einer Website indexiert werden muss. Filterseiten, Weiterleitungen und bewusst ausgeschlossene Seiten gehören zu jedem gesunden Bericht. Die Frage ist nicht, ob die Zahl der nicht indexierten Seiten null ist, sondern welche Seiten betroffen sind.
Der häufigste Befund bei KMU-Websites ist «Gecrawlt – zurzeit nicht indexiert» bei Leistungs- oder Ortsseiten. Die Ursachen sind meist dieselben: zu wenig eigener Inhalt, zu grosse Ähnlichkeit mit anderen Seiten der Website oder fehlende interne Links. Eine ausführliche Diagnose mit den typischen Gründen steht im Wissensbeitrag Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert: Gründe und Lösungen.
Nach einer Korrektur kannst du im Bericht «Fehlerbehebung überprüfen» wählen. Google prüft dann die betroffenen URLs erneut; das kann laut Google rund zwei Wochen dauern, manchmal länger. In dieser Zeit ist Geduld sinnvoller als wiederholtes Anstossen.
Verwaiste Seiten mit der Search Console finden
Eine Seite ohne einzigen internen Link ist für Google schwer zu finden und wird als unwichtig eingestuft. Solche verwaisten Seiten entstehen bei jedem Relaunch, bei jeder neuen Landingpage, die niemand im Menü verlinkt, und bei Kampagnenseiten, die nach der Kampagne liegen bleiben.
Die Search Console liefert dafür eine der beiden Listen, die man vergleichen muss. Der Seitenbericht im Leistungsbericht und die Liste der indexierten Seiten zeigen, welche URLs Google kennt. Ein Crawler, der nur den internen Links folgt, zeigt, welche URLs über die Navigation erreichbar sind. Alles, was Google kennt, der Crawler aber nicht findet, ist verwaist. Wie dieser Abgleich Schritt für Schritt funktioniert, zeigt der Beitrag Verwaiste Seiten und interne Verlinkung.
Bei unserer eigenen Domain haben wir im August 2026 48 verwaiste Seiten gefunden und auf höchstens zwei Klicks von der Startseite geholt. Keine davon war neu, alle waren schon im Index bekannt, nur eben ohne Weg dorthin.
Eine Monatsroutine in 30 Minuten
Für ein KMU mit einer Website von 20 bis 200 Seiten reicht diese Routine:
- Leistungsbericht, letzte 3 Monate, Land Schweiz. Suchanfragen exportieren, nach Positionsbändern gruppieren, mit dem Vormonat vergleichen.
- Striking Distance identifizieren. Die zehn Suchanfragen auf Position 4 bis 20 mit den meisten Impressionen notieren. Das sind die Kandidaten für Überarbeitung und interne Links.
- Seitenindexierung prüfen. Gibt es wichtige Seiten mit «Gecrawlt – zurzeit nicht indexiert» oder «Duplikat»? Wenn ja, auf die Liste.
- Anmerkungen setzen. Was hat sich im letzten Monat auf der Website geändert? Ins Diagramm eintragen.
- Exportieren. Die Tabelle ablegen, damit der Vergleich auch nach 16 Monaten noch möglich ist.
Wer zusätzlich wissen will, ob mehrere eigene Seiten um dieselbe Suchanfrage konkurrieren, filtert im Leistungsbericht nach einer Suchanfrage und schaut in den Tab «Seiten». Erscheinen dort mehrere URLs im Wechsel, liegt vermutlich Keyword-Kannibalisierung vor.
Was die Search Console nicht leistet
Sie misst keine Sichtbarkeit in ChatGPT, Perplexity oder Copilot und weist auch nicht eindeutig aus, welche Impressionen aus Google AI Overviews stammen. Für die KI-Sichtbarkeit braucht es eigene Messmethoden, die der Beitrag KI-Sichtbarkeit messen: die Kennzahlen beschreibt.Fazit
Die Google Search Console beantwortet für ein KMU zwei Fragen: Wo stehe ich wirklich, und kennt Google meine wichtigen Seiten? Die erste beantwortet der Leistungsbericht, wenn man ihn nach Positionsbändern statt nach dem Durchschnitt liest. Die zweite beantwortet der Bericht zur Seitenindexierung, wenn man ihn nach betroffenen Seiten statt nach Gesamtzahlen liest. Unser eigener Befund zeigt, wie viel diese Unterscheidung wert ist: Eine Klickrate von 0,05 Prozent sah nach einem Textproblem aus und war ein Positionsproblem.
Wenn du wissen willst, wo deine Website steht, bevor du Budget einsetzt, bietet sich ein kostenloser SEO-Check an. Welche Analysen du selbst machen kannst und wann sich eine professionelle SEO-Analyse lohnt, zeigt unsere Übersicht. Ein ausführliches SEO-Audit kostet bei uns ab CHF 1'500.
Häufige Fragen
Was zeigt die Google Search Console?+
Sie zeigt, wie Google eine Website in der Suche sieht: für welche Suchanfragen sie erscheint, wie oft sie angezeigt und angeklickt wird, auf welcher durchschnittlichen Position sie steht und welche Seiten Google indexiert hat oder nicht. Anders als ein Analytics-Werkzeug misst die Search Console, was vor dem Klick passiert. Für ein KMU sind der Leistungsbericht und der Bericht zur Seitenindexierung die beiden Berichte, die fast alle praktischen Fragen beantworten.
Wie wird die durchschnittliche Position berechnet?+
Google definiert sie als durchschnittliche Position des höchsten Ergebnisses deiner Website. Erscheint deine Website bei einer Suche mit zwei Seiten auf Position 3 und 7, zählt Position 3. Über viele Suchanfragen gemittelt, verdeckt der Wert grosse Unterschiede: Eine Durchschnittsposition von 20 kann aus einigen Top-3-Treffern und vielen Treffern auf Seite fünf bestehen. Deshalb lohnt sich die Auswertung nach Positionsbändern statt nach dem Durchschnitt.
Wie lange speichert die Search Console Daten?+
Der Leistungsbericht umfasst rund 16 Monate. Ältere Daten sind in der Oberfläche nicht mehr abrufbar. Wer Jahresvergleiche über längere Zeiträume braucht, sollte die Daten regelmässig exportieren, etwa monatlich als Tabelle oder automatisiert über die Search-Console-Schnittstelle. In der Oberfläche zeigt Google ausserdem höchstens 1'000 Zeilen pro Tabelle an (Stand: 2026-09-23).
Ist «Gecrawlt – zurzeit nicht indexiert» ein Fehler?+
Nicht zwingend. Der Status bedeutet, dass Google die Seite gecrawlt, aber nicht in den Index aufgenommen hat. Google hält selbst fest, dass nicht jede Seite einer Website indexiert werden muss. Zum Problem wird der Status, wenn er wichtige Seiten betrifft, etwa Leistungs- oder Ortsseiten. Dann lohnt sich ein Blick auf Inhaltstiefe, Duplikate und interne Verlinkung, weil Google Seiten ohne erkennbaren eigenen Wert oder ohne interne Links oft nicht aufnimmt.
Über den Autor
Daniel MüllerSenior Developer & SEO-Stratege
Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.


