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Keyword-Recherche für KMU: warum SEMrush-Volumen täuschen

Eine Keyword-Recherche steht und fällt mit den Suchvolumen. In unseren eigenen Messungen lagen die Werte eines verbreiteten SEO-Tools für den Schweizer Markt oft um das Drei- bis Dreissigfache über den Google-Ads-Daten. Wie du Volumen gegenprüfst, Ausreisser erkennst und die Suchabsicht testest, bevor du eine Seite baust.

Daniel Müller9 Min. Lesezeit
Keyword-Recherche für KMU: warum SEMrush-Volumen täuschen

Eine Keyword-Recherche für KMU beginnt mit der Sprache der eigenen Kundschaft und endet mit einer geprüften Zahl: dem Suchvolumen aus Google-Ads-Daten für die Schweiz, gelesen als Monatsreihe statt als Jahresdurchschnitt. Die Volumen aus SEO-Tools taugen als Ideenquelle, nicht als Entscheidungsgrundlage. In unseren eigenen Messungen lagen sie für Schweizer Suchbegriffe oft um das Drei- bis Dreissigfache zu hoch.

Das ist keine akademische Frage. Wer eine Seite baut, weil ein Tool 2'400 monatliche Suchen anzeigt, und tatsächlich suchen 23 Menschen, hat Zeit und Budget in eine Seite gesteckt, die ihre Kosten nie einspielen kann. Dieser Beitrag zeigt die Methode, mit der wir bei DLM Digital heute jede Bauentscheidung absichern, und die Messungen, aus denen sie entstanden ist.

Was eine Keyword-Recherche leisten muss

Eine Keyword-Recherche beantwortet drei Fragen: Wie nennen Menschen das, was du anbietest? Wie viele suchen danach? Und was wollen sie, wenn sie danach suchen? Ein Keyword ist dabei nicht ein einzelnes Wort, sondern die ganze Suchanfrage, wie sie jemand eintippt oder spricht.

Für ein Schweizer KMU kommt eine vierte Frage dazu, die in vielen Anleitungen fehlt: Was ist eine Suche für dein Geschäft wert? Ein Treuhandbüro in Winterthur braucht keine tausend Besucher, sondern zehn passende Anfragen. Die Recherche soll deshalb nicht die grösste Zahl finden, sondern die Begriffe, hinter denen deine Kundschaft steht.

Unser Befund: SEO-Tool-Volumen und Google Ads im Vergleich

Im August 2026 haben wir für mehrere Wettbewerbsanalysen Keyword-Exporte aus SEMrush mit den Google-Ads-Suchvolumen für die Schweiz verglichen, die wir über DataForSEO abgefragt haben. Das Ergebnis war eindeutiger als erwartet:

SuchbegriffSEMrushGoogle AdsFaktor
google ads spezialist8803029×
leadgenerierung agentur5902030×
content creation agentur5902030×
content marketing agentur zürich1'6007023×
agentur für corporate design8803029×
social media marketing schweiz4802024×
google ads agentur210210
ui ux design8801'000

(Quelle: eigener Abgleich eines SEMrush-Exports vom 21. August 2026 mit Google-Ads-Suchvolumen, Schweiz, Deutsch)

Zwei Dinge fallen auf. Erstens liegt die Abweichung bei vielen Begriffen nicht bei zwanzig Prozent, sondern bei einer Grössenordnung. Zweitens ist sie nicht systematisch: Bei «google ads agentur» und «ui ux design» stimmen beide Quellen fast überein. Man kann die Tool-Werte also nicht einfach durch einen festen Faktor teilen.

Das deutlichste Einzelbeispiel stammt aus einer anderen Analyse. Für «professionelle website erstellen lassen» wies SEMrush 2'400 monatliche Suchen aus. Google Ads meldete für die Schweiz 50 im Jahresmittel und 23 im Durchschnitt der letzten drei Monate.

Warum die Werte so weit auseinanderliegen, lässt sich von aussen nicht abschliessend sagen. Denkbar sind etwa zusammengefasste Varianten eines Begriffs oder Daten aus einer anderen Länderdatenbank; belegt ist nur die Abweichung selbst. Für die Praxis spielt die Ursache auch keine Rolle. Es gilt die Zahl, auf deren Basis Google selbst Werbeplätze verkauft.

Was an SEMrush trotzdem stimmte

Die Spalte Keyword-Difficulty war in denselben Abgleichen verlässlich. Begriffe, die SEMrush als leicht einstufte, waren auch in den Google-Ergebnissen wenig umkämpft. Die Keyword-Difficulty sagt, wie schwer ein Platz zu erobern ist, nicht wie viele Menschen danach suchen. Beides getrennt zu lesen, macht ein SEO-Tool erst brauchbar.

Der zweite Stolperstein: der Ausreisser im September 2025

Wer Google-Ads-Daten verwendet, ist noch nicht am Ziel. In praktisch allen Zeitreihen, die wir im August und September 2026 für die Schweiz abgefragt haben, zeigt der September 2025 einen Ausreisser nach oben, oft um das Fünf- bis Fünfzigfache der übrigen Monate. «website audit» stand in diesem Monat bei 2'900 Suchen, in den übrigen Monaten zwischen 30 und 170.

Weil Google Ads das durchschnittliche monatliche Suchvolumen standardmässig über zwölf Monate mittelt (Quelle: Google-Ads-Hilfe, «About Keyword Planner forecasts», Stand: 2026-09-23), zieht ein einzelner Ausreisser den Jahreswert deutlich nach oben. Das gilt auch für den Begriff, um den es in diesem Beitrag geht: «keyword recherche» wird in der Schweiz im Jahresmittel mit 170 Suchen pro Monat ausgewiesen. Der September 2025 steht dabei bei 1'300, die letzten Monate liegen zwischen 50 und 90 (Quelle: Google-Ads-Suchvolumen über DataForSEO, Schweiz, Deutsch, gemessen am 2026-09-23).

Ob der Ausreisser echte Nachfrage oder ein Datenartefakt ist, können wir nicht belegen. Wir behandeln ihn als Artefakt, weil er bei thematisch völlig unterschiedlichen Begriffen gleichzeitig auftritt. Die praktische Regel ist einfach: Neben dem Jahresdurchschnitt immer den Durchschnitt der letzten drei bis sechs Monate ansehen und für Entscheidungen den tieferen Wert verwenden.

Die Methode in fünf Schritten

1. Begriffe aus der Kundschaft sammeln, nicht aus dem Tool

Die besten Ausgangsbegriffe stehen in Offertanfragen, Kundenmails und Telefonnotizen. Eine Schreinerei in Luzern wird feststellen, dass Kundinnen «Einbauschrank nach Mass» schreiben und nicht «Schreinerei Innenausbau». Ein Tool schlägt dir Varianten des Begriffs vor, den du eingibst; es kennt die Sprache deiner Kundschaft nicht. Ergänzend lohnt ein Blick in die Google Search Console, welche Suchanfragen deiner Website bereits Impressionen bringen.

2. Volumen mit Google-Ads-Daten messen

Der Keyword-Planer in Google Ads ist kostenlos, setzt aber ein Google-Ads-Konto mit abgeschlossener Einrichtung inklusive Zahlungsangaben voraus (Quelle: Google-Ads-Hilfe, «Keyword-Planer verwenden», Stand: 2026-09-23). Konten mit geringen oder keinen Werbeausgaben sehen die Volumen häufig nur als Spannen, etwa «100–1'000». Google weist ausserdem darauf hin, dass die Suchvolumen gerundet sind und Varianten eines Begriffs mitzählen. Wer genaue Monatswerte braucht, greift auf Dienste zurück, die die Google-Ads-Daten über die Schnittstelle abfragen; wir nutzen dafür DataForSEO.

Wichtig ist die Einstellung: Standort Schweiz, Sprache Deutsch, und für regionale Begriffe gezielt die Region. Ein Begriff kann national 500 Suchen haben und im Kanton Zürich 150.

3. Monatsreihe lesen

Nicht beim Jahresdurchschnitt stehen bleiben. Die Monatswerte zeigen Ausreisser wie jenen im September 2025, echte Saisonalität, etwa bei Steuererklärung im Frühling oder Gartenbau im März, und Trends. Für die Entscheidung zählt der Durchschnitt der letzten Monate.

4. Suchabsicht in den Ergebnissen prüfen

Die Suchintention steht in keinem Tool so zuverlässig wie in den Google-Ergebnissen selbst. Gib den Begriff im Inkognito-Fenster ein und schau, was auf der ersten Seite steht: Ratgeber, Anbieterseiten, Vergleichsportale, ein Local Pack, Videos? Wenn für «küchenplanung» nur Ratgeber und Möbelhäuser ranken, wird eine Leistungsseite eines Küchenbauers es schwer haben, egal wie gut sie ist. Wenn für «küchenbauer zürich» ein Local Pack erscheint, gehört der Begriff eher ins Google-Profil als auf eine eigene Seite.

5. Nach Wert priorisieren, nicht nach Volumen

Am Ende steht eine kurze Liste mit Begriff, gemessenem Volumen der letzten Monate, Schwierigkeit, Suchabsicht und einer Einschätzung des Geschäftswerts. Einen Anhaltspunkt für den kommerziellen Wert liefert das Gebot, das Werbetreibende für den Begriff zahlen. Für «professionelle website erstellen lassen» lag der Klickpreis in unserer Messung bei CHF 41.87. Bei diesem Preis ist auch ein kleines Volumen von rund 20 bis 50 Suchen pro Monat kommerziell interessant, und wir haben die Seite trotz der korrigierten Zahl gebaut. Nur eben mit realistischen Erwartungen.

Oft sind es die spezifischeren Begriffe mit wenigen Suchen, die am meisten bringen, weil hinter ihnen eine klare Absicht steht. Warum solche Long-Tail-Keywords gerade im kleinen Schweizer Markt tragen, zeigt sich in fast jeder Recherche.

Was die Recherche verhindern soll

Eine gute Keyword-Recherche ist vor allem ein Filter. Bei unseren eigenen Wettbewerbsanalysen im August 2026 hat die Messung einen grossen Teil der naheliegenden Seitenideen aussortiert oder als Abschnitt in bestehende Seiten verschoben, weil die Nachfrage fehlte oder die Suchabsicht nicht zu einer eigenen Seite passte. Das ist kein Scheitern der Recherche, sondern ihr Zweck.

Zwei Fehler verhindert sie besonders zuverlässig:

  • Seiten für Nachfrage, die es nicht gibt. Eine Seite, die für 23 Suchen gebaut wird, als wären es 2'400, erzeugt falsche Erwartungen an Traffic und Anfragen.
  • Mehrere Seiten für dieselbe Absicht. Wer für «website erstellen lassen», «homepage erstellen lassen» und «webseite erstellen lassen» drei Seiten baut, obwohl Google für alle drei dieselben Ergebnisse zeigt, erzeugt Keyword-Kannibalisierung statt Reichweite.

Vorsicht bei Suchvolumen in Offerten

Wenn eine Agentur-Offerte mit grossen Suchvolumen argumentiert, frag nach der Quelle und nach den Monatswerten. Ein Tool-Wert ohne Google-Ads-Abgleich ist keine Grundlage für ein Budget. Das gilt auch für unsere eigenen Zahlen: Jede Zahl in diesem Beitrag hat eine benannte Quelle und ein Datum.

Was Keyword-Recherche kostet

Eine Recherche für eine KMU-Website mit einer Handvoll Leistungen ist mit kostenlosen Mitteln machbar: Kundensprache sammeln, Keyword-Planer, Monatsreihen, Suchergebnisse prüfen. Der Aufwand liegt bei einigen Stunden. Was Werkzeuge kosten und wann sich welches lohnt, ordnet der Vergleich der besten SEO-Tools 2026 ein. Wie Agenturen solche Arbeit in der Schweiz abrechnen, zeigt der Beitrag SEO-Kosten in der Schweiz: Preismodelle im Vergleich.

Wenn du die Recherche nicht selbst machen willst, ist sie Teil einer SEO-Analyse bei uns; ein vollständiges SEO-Audit beginnt bei CHF 1'500. Eine Garantie auf bestimmte Positionen gibt es dabei nicht, nur geprüfte Zahlen als Grundlage.

Fazit

Die wichtigste Regel der Keyword-Recherche für KMU ist unspektakulär: Jede Zahl, auf der eine Entscheidung beruht, wird mit Google-Ads-Daten nachgemessen und als Monatsreihe gelesen. SEO-Tools liefern Ideen und eine brauchbare Einschätzung der Schwierigkeit, aber in unseren Messungen keine verlässlichen Schweizer Suchvolumen. Wer das beachtet, baut weniger Seiten, und die richtigen.

Häufige Fragen

Wie mache ich eine Keyword-Recherche als KMU?+

In vier Schritten: Zuerst sammelst du die Begriffe, mit denen deine Kundschaft tatsächlich nach deiner Leistung fragt. Dann misst du das Suchvolumen mit Google-Ads-Daten für die Schweiz und schaust dir die Monatswerte an, nicht nur den Jahresdurchschnitt. Danach prüfst du die Suchabsicht direkt in den Google-Ergebnissen. Zuletzt entscheidest du nach Wert für dein Geschäft, nicht nach der grössten Zahl. Ein Begriff mit 30 Suchen und klarer Kaufabsicht kann mehr wert sein als einer mit 3'000 Suchen von Studierenden.

Warum zeigen SEO-Tools andere Suchvolumen als Google?+

Weil sie ihre Werte selbst schätzen und nicht direkt von Google übernehmen. Wie die Schätzung im Einzelnen zustande kommt, legen die Anbieter nur teilweise offen. Belegt ist in unseren eigenen Messungen vom August 2026 die Grössenordnung: Für mehrere Schweizer Suchbegriffe lag SEMrush um Faktor 3 bis 30 über den Google-Ads-Werten, bei anderen Begriffen stimmten die Werte überein. Deshalb misst du jeden Begriff, auf dem eine Bauentscheidung beruht, mit Google-Ads-Daten nach.

Ist der Google Keyword-Planer kostenlos?+

Ja, der Keyword-Planer ist Teil von Google Ads und kostet nichts. Für die Nutzung brauchst du aber ein Google-Ads-Konto mit abgeschlossener Einrichtung inklusive Zahlungsangaben. Konten ohne oder mit geringen Werbeausgaben sehen die Suchvolumen häufig nur als Spannen statt als genaue Zahlen. Google weist ausserdem darauf hin, dass die Suchvolumen gerundet sind (Stand: 2026-09-23).

Was ist mit der Keyword-Difficulty von SEO-Tools?+

Die Keyword-Difficulty sagt, wie schwer es ist, für einen Begriff auf die erste Seite zu kommen, gemessen vor allem an der Stärke der bereits rankenden Seiten. In unseren Abgleichen war diese Spalte bei SEMrush deutlich verlässlicher als die Volumenspalte: Begriffe mit niedriger Difficulty waren tatsächlich wenig umkämpft. Die niedrige Difficulty sagt aber nichts darüber, wie viele Menschen suchen. Beides getrennt zu bewerten, ist der Kern einer ehrlichen Recherche.

Über den Autor

Daniel Müller

Senior Developer & SEO-Stratege

Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.

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