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Digital Business

Go-to-Market-Strategie für Startups: der Plan für die ersten 100 Kunden in der Schweiz

Eine Go-to-Market-Strategie beantwortet, wem ein Startup was zu welchem Preis über welchen Kanal verkauft und woran es merkt, ob es funktioniert. Dieser Artikel zeigt die sechs Bausteine, die Besonderheiten des Schweizer Marktes, typische Fehler und was eine Strategieberatung für Startups tatsächlich leisten sollte, mit einem Beispiel für ein junges B2B-Softwareangebot.

Daniel Müller10 Min. Lesezeit
Go-to-Market-Strategie für Startups: der Plan für die ersten 100 Kunden in der Schweiz

Eine Go-to-Market-Strategie ist der Plan, wie ein Startup sein Angebot in den Markt bringt. Sie beantwortet sechs Fragen: Wer ist der erste Zielkunde? Welches dringende Problem hat er? Was versprechen Sie ihm? Zu welchem Preis? Über welchen Kanal erreichen Sie ihn? Und woran merken Sie nach einigen Wochen, ob es funktioniert? Für die Schweiz kommen drei Besonderheiten dazu: ein kleiner, mehrsprachiger Markt, in dem Vertrauen und Empfehlungen viel zählen, und Kunden, die neuen Anbietern oft erst nach einem Referenzprojekt eine Chance geben.

Viele Gründerinnen und Gründer verbringen Monate mit dem Produkt und Tage mit der Frage, wie es verkauft wird. Das Ergebnis ist ein gutes Produkt, das niemand kennt. Eine Go-to-Market-Strategie dreht die Gewichtung nicht um, aber sie sorgt dafür, dass die Vertriebsfrage früh genug gestellt wird, um das Produkt noch beeinflussen zu können.

Die sechs Bausteine

1. Der erste Zielkunde, so eng wie möglich

«KMU in der Schweiz» ist kein Zielkunde, sondern eine Statistik. Der erste Zielkunde ist eine Gruppe, die Sie benennen, finden und ansprechen können: «Physiotherapiepraxen mit zwei bis zehn Therapeuten in der Deutschschweiz, die Termine noch per Telefon vergeben.»

Eine enge Nische hat drei Vorteile: Sie kennen das Problem genau, Sie wissen, wo sich diese Menschen informieren, und jeder zufriedene Kunde ist eine glaubwürdige Empfehlung für den nächsten. Breiter werden können Sie später. Hilfreich ist eine Persona für den typischen Entscheider in dieser Gruppe.

2. Das Problem, das wirklich drängt

Ein Problem, das der Kunde zwar bestätigt, für das er aber nichts bezahlen würde, trägt keinen Markteintritt. Prüfen Sie: Hat der Kunde heute schon eine Notlösung, etwa Excel, Papier, eine Praktikantin? Kostet ihn das Problem Zeit, Geld oder Kunden? Hat er schon einmal versucht, es zu lösen? Wie sich echte Nachfrage von höflicher Zustimmung unterscheidet, beschreibt Produktidee validiert? Woran Sie es erkennen.

3. Positionierung und Nutzenversprechen

Was versprechen Sie, und warum sollte der Kunde gerade Ihnen glauben? Das Nutzenversprechen beschreibt den Wert aus Kundensicht, die Positionierung den Unterschied zu Alternativen, und das sind nicht nur Mitbewerber, sondern auch «weitermachen wie bisher». Eine Anleitung mit dem Value Proposition Canvas steht in USP formulieren.

4. Preis und Preismodell

Der Preis ist Teil der Positionierung. Ein zu tiefer Preis signalisiert ein Spielzeug und lässt keinen Raum für Vertrieb und Betreuung. Ein Preismodell, das der Kunde nicht versteht, verlängert jeden Verkaufsprozess. Entscheiden Sie früh: einmalig oder Abo, pro Nutzer, pro Standort oder pauschal? Für Abo-Modelle gehören Kennzahlen wie monatlich wiederkehrender Umsatz und Kündigungsrate von Anfang an dazu, erklärt in SaaS-Kennzahlen für Gründer.

5. Kanäle, getestet statt geplant

Über welchen Weg erfährt der Zielkunde von Ihnen, und über welchen kauft er? Typische Kanäle für junge Angebote:

Kanalpasst gut, wennVorsicht, wenn
direkter Vertrieb, persönliche Ansprachewenige, grosse Kunden, erklärungsbedürftiges Angebottiefer Preis pro Kunde
Suchmaschinen, Inhalte, WebsiteKunden suchen aktiv nach einer Lösungniemand kennt die Problemkategorie
Google AdsGoogle Ads ist die Werbeplattform von Google. Unternehmen schalten damit Anzeigen in der Google-Suche, auf YouTube, im Display-Netzwerk, in Gmail und in Google…Mehr erfahren →Suchanfragen mit klarer Kaufabsicht existierenKlickpreise übersteigen den Wert eines Kunden
LinkedInB2B mit klar definierten Funktionen und Branchenbreite Zielgruppe, kleines Budget
Partner, Verbände, Brancheneventseine Branche ist gut organisiertPartner haben keinen eigenen Nutzen
Empfehlungen bestehender KundenKunden sind zufrieden und vernetztes gibt noch keine Kunden

Testen Sie zwei bis drei Kanäle parallel, mit kleinem Budget und klarer Messung, und bauen Sie den aus, der die besten Kunden zu vertretbaren Kosten bringt. Ein Kanal, bei dem die Kosten pro gewonnenem Kunden über dem Kundenwert liegen, ist kein Wachstum, sondern eine Spende.

6. Kennzahlen und Rhythmus

Legen Sie vor dem Start fest, was Sie messen und wann Sie entscheiden. Für die ersten Monate reichen wenige Zahlen entlang des Funnels: Gespräche, Testnutzungen, zahlende Kunden, Kosten pro Kunde, Kündigungen. Dazu ein fester Rhythmus, etwa alle zwei Wochen eine Stunde Auswertung mit der Frage: Was machen wir mehr, was weniger, was hören wir auf?

Besonderheiten des Schweizer Marktes

Klein und segmentiert. Viele Nischen sind in der Schweiz schlicht klein. Rechnen Sie früh nach, wie viele potenzielle Kunden es in Ihrer Nische gibt, und ob ein realistischer Anteil davon das Geschäft trägt. Wenn nicht, braucht es früh einen Plan für eine zweite Nische oder den Schritt über die Grenze.

Mehrsprachig. Deutsch, Französisch und Italienisch sind keine Übersetzungsfrage, sondern oft unterschiedliche Märkte mit eigenen Netzwerken und Gepflogenheiten. Die meisten Startups beginnen in einer Sprachregion und gehen dann bewusst weiter. Technische Hinweise zur mehrsprachigen Website gibt Mehrsprachige Website mit hreflang.

Vertrauen vor Neuheit. Schweizer Geschäftskunden kaufen gerne bei Anbietern, die sie kennen oder die ihnen empfohlen werden. Ein erstes Referenzprojekt, ein Branchenverband als Partner oder ein Pilotkunde, der öffentlich darüber spricht, wiegt oft mehr als eine grosse Kampagne.

Datenschutz und Datenstandort. Gerade im B2B fragen Kunden früh, wo Daten liegen und wer Zugriff hat. Eine klare Antwort darauf ist im Schweizer Markt ein Verkaufsargument, beschrieben in Datenschutz als Wettbewerbsvorteil.

Typische Fehler

  • Alle gleichzeitig ansprechen. Der Zielmarkt ist so breit, dass keine Botschaft für jemanden konkret genug ist.
  • Kanäle nach Gewohnheit wählen. Social Media, weil alle es machen, statt dort, wo die Zielkunden tatsächlich entscheiden.
  • Zu spät mit Kunden reden. Das Produkt ist fertig, bevor das erste ernsthafte Verkaufsgespräch stattfindet.
  • Pilotkunden ohne Gegenleistung. Kostenlose Pilotprojekte ohne Verpflichtung zu Rückmeldung, Referenz oder späterem Kauf liefern wenig Erkenntnis.
  • Keine Abbruchkriterien. Ein Kanal läuft monatelang weiter, weil niemand festgelegt hat, wann er als gescheitert gilt.

Viele dieser Fehler vermeidet, wer in kurzen Lernzyklen arbeitet. Wie das geht, beschreibt Lean Startup im KMU.

Beispiel: Software für Physiotherapiepraxen

Konstruiertes Beispiel, kein Kundenfall. Zwei Gründerinnen haben eine Web-AppEine Web-App ist eine Anwendung, die im Browser läuft und sich wie ein Programm bedienen lässt — mit Login, Eingaben, gespeicherten Daten und Abläufen. Anders…Mehr erfahren → gebaut, mit der Physiotherapiepraxen Termine online vergeben und Patienten Übungen nach Hause mitgeben können. Der erste Prototyp läuft in einer befreundeten Praxis.

  • Zielkunde: Praxen mit zwei bis zehn Therapeuten in der Deutschschweiz, ohne Online-Terminvergabe.
  • Problem: Telefonate während der Behandlung, Terminlücken durch kurzfristige Absagen.
  • Versprechen: «Weniger Telefon in der Behandlung, freie Termine automatisch wieder vergeben.»
  • Preis: monatliche Pauschale pro Praxis, gestaffelt nach Anzahl Therapeuten, ohne Einrichtungsgebühr für die ersten zehn Praxen gegen Referenz und monatliches Feedbackgespräch.
  • Kanäle im Test: persönliche Ansprache von 40 Praxen in zwei Kantonen, eine Website mit Inhalten zu Online-Terminen in der Physiotherapie, ein Auftritt an einer regionalen Fachveranstaltung.
  • Kennzahlen: Gespräche, Testzugänge, zahlende Praxen, Zeit bis zur ersten Buchung durch Patienten.
  • Rhythmus: alle zwei Wochen Auswertung, nach drei Monaten Entscheid über den Hauptkanal.

Nach drei Monaten zeigt sich, welcher Kanal Gespräche bringt und welcher nur Aufwand. Die Strategie wird nicht neu geschrieben, sondern justiert.

Was eine Strategieberatung für Startups leisten sollte

Beratung kann helfen, wenn sie das Richtige liefert. Woran Sie eine gute Strategieberatung für Startups erkennen:

  • Sie arbeitet mit Annahmen, nicht mit Gewissheiten. Jede Aussage über Zielkunden, Preis oder Kanal wird als prüfbare Annahme formuliert, mit einem Test, der sie bestätigt oder widerlegt.
  • Sie bringt Sie zu Kunden, nicht zu Folien. Ein grosser Teil der Arbeit sind Gespräche mit potenziellen Kunden und das Auswerten dieser Gespräche.
  • Sie rechnet. Marktgrösse, Kosten pro Kunde, Kundenwert, Zeit bis zur Rentabilität, alles grob, aber nachvollziehbar.
  • Sie sagt Unbequemes. Wenn eine Nische zu klein ist oder ein Kanal zu teuer, sagt sie es früh.
  • Sie bleibt nach dem Workshop dran. Die Strategie wird erst nach einigen Wochen Markterfahrung gut, und dann braucht es Nachjustierung.

Bei DLM Digital begleiten wir Gründerinnen und Gründer mit der Startup-Beratung bei Geschäftsmodell, Markteintritt und den digitalen Grundlagen. Soll eine Idee zuerst mit echten Nutzern geprüft werden, entsteht ein Prototyp oder MVPEin Minimum Viable Product (MVP) ist die kleinste lauffähige Version eines Produkts, die für echte Nutzer bereits einen vollständigen Nutzen erfüllt und…Mehr erfahren → im Rahmen von Prototyp und Validierung, ab CHF 10'000. Für die Website, die das Angebot erklärt und Anfragen auslöst, gibt es Pakete ab CHF 3'000, siehe Website erstellen lassen. Und wenn bezahlte Kanäle getestet werden sollen, hilft die Digital-Marketing-Beratung. Für Förderung und Finanzierung des ersten Produkts lohnt der Blick in Fördergeld für das erste Software-Produkt.

Fazit

Eine Go-to-Market-Strategie ist kein Dokument für die Schublade, sondern eine Reihe von Entscheidungen, die sich am Markt bewähren müssen. Ein enger erster Zielkunde, ein Problem, das drängt, ein klares Versprechen, ein verständlicher Preis, zwei bis drei getestete Kanäle und wenige Kennzahlen mit festem Rhythmus. Wer das in der Schweiz mit Geduld für Vertrauen und Referenzen verbindet, hat bessere Chancen auf die ersten 100 Kunden als mit jedem grossen Launch.

Häufige Fragen

Was ist eine Go-to-Market-Strategie?+

Eine Go-to-Market-Strategie ist der Plan, wie ein Produkt oder eine Dienstleistung in einen Markt eingeführt wird. Sie legt fest, für welche Zielkunden das Angebot gedacht ist, welches Problem es löst, wie es positioniert und bepreist wird, über welche Kanäle die Kunden erreicht werden und an welchen Kennzahlen sich der Erfolg messen lässt.

Was ist der Unterschied zwischen Go-to-Market-Strategie und Marketingplan?+

Die Go-to-Market-Strategie entscheidet die Grundlagen: Zielkunde, Nutzenversprechen, Preis, Vertriebsweg. Der Marketingplan setzt darauf auf und plant konkrete Massnahmen, Budgets und Termine über ein Jahr. Ohne geklärte Grundlagen wird ein Marketingplan zur Liste von Aktivitäten ohne Richtung.

Wann braucht ein Startup eine Go-to-Market-Strategie?+

Spätestens dann, wenn ein erstes Produkt oder ein Prototyp vorliegt und die ersten zahlenden Kunden gewonnen werden sollen. Idealerweise schon vorher in einer schlanken Form, weil Zielkunde und Vertriebsweg beeinflussen, was überhaupt gebaut werden sollte.

Was sollte eine Strategieberatung für Startups leisten?+

Sie sollte Annahmen prüfbar machen statt Folien zu füllen: Zielkunden und Problem schärfen, Tests mit echten Kunden planen, Preis und Kanal begründen, Kennzahlen festlegen und nach den ersten Wochen mit Daten nachjustieren. Eine gute Beratung sagt auch, wenn ein Markt zu klein oder ein Kanal zu teuer ist.

Über den Autor

Daniel Müller

Senior Developer & SEO-Stratege

Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.

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