Fördergeld für das erste Software-Produkt: Innosuisse, Venture Kick und was realistisch ist
Venture Kick, Innosuisse-Coaching, Innovationsscheck: In der Schweiz gibt es Förderwege für junge Software-Produkte. Aber nicht jeder passt zu jeder Idee, und kaum einer bezahlt einfach die Entwicklung eines MVP. Ein nüchterner Überblick mit Quellen.

Für das erste Software-Produkt gibt es in der Schweiz Fördergeld, aber es fliesst selten dorthin, wo Gründerinnen und Gründer es zuerst vermuten. Venture Kick unterstützt Startups mit Hochschulbezug mit bis zu CHF 150'000 in drei Stufen, Innosuisse finanziert über den Innovationsscheck Vorstudien mit Forschungspartnern und über das Start-up-Coaching erfahrene Begleitung. Ein Topf, der einfach die Entwicklung eines MVP bezahlt, ist dagegen die Ausnahme. Wer das von Anfang an weiss, plant realistischer und verliert keine Monate mit dem Warten auf eine Zusage, die nicht kommt.
Dieser Überblick stützt sich auf die Angaben der Programme selbst und auf Programmbeschreibungen von Schweizer Hochschulen, jeweils abgerufen am 10. Oktober 2026. Er ersetzt keine Beratung durch die Förderstellen, und er verspricht keine Förderung. Erfolgsquoten nennen wir bewusst nicht.
Zuerst die ehrliche Frage: Wofür brauchen Sie das Geld?
Förderprogramme beantworten unterschiedliche Fragen. Bevor man einen Antrag schreibt, lohnt es sich, den eigenen Bedarf auseinanderzunehmen:
- Wissen und Forschung: Ist die Kerntechnologie überhaupt machbar? Braucht es eine Hochschule, die etwas untersucht, das es noch nicht gibt?
- Begleitung: Fehlt Erfahrung im Aufbau eines Unternehmens, im Vertrieb, in der Finanzierung?
- Startkapital: Braucht es Geld für die ersten Schritte, für Markttests, Reisen, Rechtliches?
- Produktentwicklung: Braucht es Geld, um die Software zu bauen?
Die Schweizer Förderlandschaft ist bei den ersten drei Punkten gut ausgebaut. Beim vierten Punkt ist sie zurückhaltend, vor allem wenn das Produkt keine neue Technologie enthält, sondern eine bekannte Technik auf ein neues Problem anwendet, was für die meisten Software-MVPs zutrifft.
Venture Kick: Startkapital in drei Stufen
Venture Kick ist ein privat getragenes Programm, das Startups in der Frühphase mit Geld und Pitch-Training unterstützt. Die offizielle Website venturekick.ch war bei unserem Abruf am 10.10.2026 nicht erreichbar. Beträge, Form, Dauer und Zielgruppe stammen deshalb aus der Programmbeschreibung von ZHAW Entrepreneurship (abgerufen am 10.10.2026); die Regeln zur Verwendung der ersten Stufe und zum Zeitpunkt der Gründung entsprechen den bisher von Venture Kick veröffentlichten Teilnahmebedingungen. Vor einer Bewerbung bitte die aktuelle Fassung auf venturekick.ch prüfen.
| Stufe | Betrag | Form |
|---|---|---|
| Stufe 1 | CHF 10'000 | Zuschuss, nur für Kosten der Geschäftsentwicklung, nicht für Gründerlöhne oder Gründungskapital |
| Stufe 2 | CHF 40'000 | Wandeldarlehen |
| Stufe 3 | CHF 100'000 | Wandeldarlehen, Firma muss gegründet sein |
| Total | bis CHF 150'000 | laut ZHAW über rund neun Monate |
Wichtige Bedingungen (Hochschulbezug und Investoren laut ZHAW, Gründungszeitpunkt laut den bisher veröffentlichten Teilnahmebedingungen):
- Das Programm richtet sich an Startups mit Bezug zu einer Schweizer Hochschule oder Forschungseinrichtung, die in der Schweiz ein Unternehmen aufbauen und Stellen schaffen wollen.
- Für die erste Stufe muss die Bewerbung vor der Gründung der Firma erfolgen.
- Vor der Bewerbung sollte kein Geld von professionellen Investoren geflossen sein.
Was das für ein Software-Produkt heisst: Wer an einer Hochschule studiert, forscht oder dort kürzlich abgeschlossen hat und eine skalierbare Idee verfolgt, sollte Venture Kick ernsthaft prüfen. Das Programm bietet neben Geld auch strukturiertes Feedback durch eine Jury, was für die Schärfung des Geschäftsmodells oft genauso viel wert ist. Für ein KMU, das intern ein Werkzeug digitalisieren will, oder für Gründer ohne Hochschulbezug ist es dagegen meist nicht der richtige Weg.
Innosuisse: Wissen, Forschung und Begleitung
Innosuisse ist die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung des Bundes. Ihre Angebote zielen auf wissenschaftsbasierte Innovation und auf die Begleitung von Gründerinnen und Gründern. Zwei davon sind für junge Software-Produkte besonders relevant.
Innovationsscheck
Laut der Innosuisse-Seite zum Innovationsscheck (abgerufen am 10.10.2026) gilt:
- Innosuisse finanziert 100 Prozent der Kosten des Forschungspartners bis CHF 15'000.
- Berechtigt sind KMU, Startups und andere Organisationen mit weniger als 250 Vollzeitstellen und Sitz in der Schweiz (UID-Nummer).
- Es braucht bereits einen Schweizer Forschungspartner, der die Vorstudie durchführt.
- Die Vorstudie muss innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein.
- Wer in den letzten zwei Jahren schon einen Innovationsscheck erhalten hat, ist nicht berechtigt.
Der Innovationsscheck passt, wenn eine echte Forschungsfrage im Raum steht: Lässt sich ein bestimmtes Bilderkennungsverfahren für unseren Anwendungsfall genau genug trainieren? Ist ein neuer Algorithmus für die Tourenplanung überhaupt schneller? Er passt nicht, wenn es schlicht um den Bau einer Web-App mit bekannten Technologien geht. Das Geld fliesst an die Forschungseinrichtung, nicht an eine Agentur und nicht an das Startup selbst.
Start-up-Coaching
Laut der Innosuisse-Seite zum Start-up-Coaching (abgerufen am 10.10.2026) erhalten Jungunternehmen Gutscheine für Coachings durch von Innosuisse akkreditierte Coaches:
| Phase | Gutschein | Laufzeit |
|---|---|---|
| Initial Coaching | maximal CHF 10'000 | bis 12 Monate |
| Core Coaching | bis CHF 50'000 | bis 36 Monate |
| Scale-up Coaching | bis CHF 75'000 | bis 24 Monate, für Startups mit hohem Wachstumspotenzial |
Die genauen Zulassungskriterien stehen auf den Unterseiten der einzelnen Phasen. Wichtig für die Erwartung: Die Gutscheine bezahlen Beratung, nicht Entwicklung. Ein guter Coach kann aber genau bei den Fragen helfen, an denen viele MVPs scheitern, etwa bei der Preisgestaltung oder beim Zugang zu den ersten Kunden.
Innovationsprojekte
Innosuisse fördert ausserdem Innovationsprojekte, teils zusammen mit Forschungspartnern. Die Regeln für Startups wurden in den letzten Jahren mehrfach angepasst. Wir nennen hier deshalb keine Quoten oder Beträge, sondern verweisen auf die aktuellen Projektausschreibungen von Innosuisse. Für eine typische Web- oder App-Idee ohne Forschungsanteil kommen sie selten infrage.
Weitere Wege: kantonal, Wettbewerbe, privat
Neben den nationalen Programmen gibt es weitere Anlaufstellen:
- Kantonale Wirtschaftsförderungen und Gründerzentren bieten Beratung, Netzwerk und teils eigene Programme. Was angeboten wird, unterscheidet sich stark von Kanton zu Kanton; ein Gespräch mit der zuständigen Stelle lohnt sich fast immer.
- Wettbewerbe und Inkubatoren verbinden oft kleinere Preisgelder mit Sichtbarkeit und Kontakten.
- Business Angels steigen typischerweise früh ein, erwarten aber Anteile und ein Wachstumsszenario, das über ein lokales Werkzeug hinausgeht.
- Erste Kunden als Finanzierung: Bei B2B-Software ist eine Vorauszahlung oder ein Pilotvertrag mit einem Kunden oft die schnellste und ehrlichste Finanzierung. Sie beweist gleichzeitig Nachfrage.
Was realistisch ist: drei Szenarien
| Ausgangslage | Naheliegender Weg | Was es nicht ist |
|---|---|---|
| ETH-Absolventin mit skalierbarer B2B-Idee, noch nicht gegründet | Venture Kick prüfen, parallel Innosuisse Initial Coaching | Garantierte Finanzierung der ganzen Entwicklung |
| KMU will ein internes Werkzeug mit KI-Bilderkennung, Machbarkeit unklar | Innovationsscheck mit Fachhochschule für die Machbarkeitsfrage | Budget für die spätere Umsetzung der Software |
| Gründer ohne Hochschulbezug mit App-Idee für Gastronomie | Pilotkunden gewinnen, kantonale Beratung, MVP aus Eigenmitteln oder mit Angel | Venture Kick oder Innovationsscheck |
Das dritte Szenario ist das häufigste, das wir sehen. Für diese Fälle ist die wichtigste Frage nicht «Wo gibt es Geld?», sondern «Wie beweise ich mit wenig Geld, dass jemand das will?».
Förderung ersetzt keine Validierung
Ein häufiges Muster: Die Idee steht, der Antrag wird geschrieben, und Monate vergehen, bis eine Antwort kommt. In dieser Zeit wurde mit keinem einzigen potenziellen Kunden gesprochen. Kommt die Absage, ist die Zeit verloren; kommt die Zusage, wird ein Produkt gebaut, dessen Nachfrage nie geprüft wurde.
Besser ist die umgekehrte Reihenfolge. Zuerst mit wenig Aufwand prüfen, ob das Problem echt ist und ob jemand bereit ist, dafür zu bezahlen: Gespräche, eine Landingpage mit Warteliste, ein klickbarer Prototyp, eine Vorbestellung. Wie das konkret geht, beschreiben wir in Wann ist eine Produktidee validiert?. Diese Belege machen jeden Förderantrag stärker und jede Investoren-Präsentation glaubwürdiger. Und manchmal zeigen sie, dass die Idee in dieser Form nicht trägt, was die günstigste Erkenntnis von allen ist.
Agenturleistungen sind nicht automatisch förderfähig
Wer ein Angebot einer Agentur oder eines Entwicklers in einen Förderantrag einbaut, sollte vorher klären, ob diese Kosten im jeweiligen Programm überhaupt anrechenbar sind. Bei Venture Kick ist der erste Zuschuss nach den bisher veröffentlichten Bedingungen auf Geschäftsentwicklung beschränkt, der Innovationsscheck bezahlt nur den Forschungspartner, das Coaching nur akkreditierte Coaches. Auch wir können Ihnen keine Förderung zusichern.Und die Entwicklung selbst?
Bleibt die Frage, wie das MVP finanziert wird, wenn kein Fördertopf die Programmierung übernimmt. In der Praxis meist aus einer Kombination: Eigenmittel, erste zahlende Pilotkunden, später privates Kapital. Umso wichtiger ist, dass das erste Produkt klein bleibt und genau eine Frage beantwortet. Ein MVP ist nicht die erste Version des fertigen Produkts, sondern das kleinste Produkt, mit dem sich echtes Kundenverhalten messen lässt.
Was danach zählt, ob Kunden bleiben und wie viel ein Kunde einbringt, beschreiben wir in SaaS-Kennzahlen für Gründer: MRR, Churn und Customer Lifetime Value.
Fazit
Die Schweiz hat gute Förderwege für junge Software-Produkte, aber sie fördern vor allem Wissen, Begleitung und Startkapital in der Frühphase, nicht die Programmierung an sich. Venture Kick lohnt sich für Startups mit Hochschulbezug, der Innovationsscheck für echte Forschungsfragen, das Innosuisse-Coaching für den Aufbau des Unternehmens. Wer seine Idee zuerst mit wenig Geld validiert, hat in allen Programmen die besseren Karten und braucht die Förderung vielleicht weniger dringend als gedacht.
Sie wollen Ihre Idee mit echten Kunden testen, bevor Sie Monate in Anträge stecken? Unsere Start-up-Beratung hilft beim Zuschnitt, und mit Prototyp und Validierung bauen wir MVPs ab CHF 10'000.
Häufige Fragen
Was ist Venture Kick?+
Venture Kick ist ein privat finanziertes Schweizer Förderprogramm für Startups aus dem Umfeld von Hochschulen. Laut der Programmbeschreibung von ZHAW Entrepreneurship (abgerufen am 10.10.2026) gibt es bis zu CHF 150'000 in drei Stufen: CHF 10'000 als Zuschuss, danach CHF 40'000 und CHF 100'000 als Wandeldarlehen. Die genauen Bedingungen stehen auf venturekick.ch.
Bezahlt Innosuisse die Entwicklung meiner App?+
In der Regel nicht direkt. Der Innovationsscheck finanziert bis zu CHF 15'000 der Kosten eines Schweizer Forschungspartners für eine Vorstudie, das Start-up-Coaching finanziert akkreditierte Coaches. Beides ist wertvoll, aber keines davon ist ein Budget für die Programmierung eines Produkts durch eine Agentur.
Kann ich ohne Hochschulbezug Venture Kick bekommen?+
Venture Kick richtet sich laut der Programmbeschreibung von ZHAW Entrepreneurship an Startups mit Bezug zu einer Schweizer Hochschule oder Forschungseinrichtung. Ohne diesen Bezug kommen eher Innosuisse-Coaching, kantonale Angebote der Wirtschaftsförderung, Wettbewerbe oder private Finanzierung infrage.
Sollte ich mit dem MVP warten, bis die Förderung zugesagt ist?+
Meist nicht. Förderentscheide brauchen Wochen bis Monate, und viele Programme verlangen bereits erste Belege für Nachfrage. Ein kleiner, günstiger Validierungsschritt mit echten Interessenten stärkt jeden Antrag und bringt in vielen Fällen schon die wichtigste Erkenntnis, bevor überhaupt Fördergeld fliesst.
Über den Autor
Daniel MüllerSenior Developer & SEO-Stratege
Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.


