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Digital Business

Onlineshop erstellen in der Schweiz: Shopify, WooCommerce oder individuell

Welches Shopsystem passt, entscheidet sich in der Schweiz weniger an Designvorlagen als an TWINT, Franken-Preisen inklusive MWST, Versand und der Frage, wer den Shop in drei Jahren noch pflegt. Eine Entscheidungshilfe mit geprüften Preisen und unserer eigenen Shopify-Referenz.

Daniel Müller10 Min. Lesezeit
Onlineshop erstellen in der Schweiz: Shopify, WooCommerce oder individuell

Einen Onlineshop erstellt ihr in der Schweiz heute am einfachsten mit Shopify, am flexibelsten mit WooCommerce auf einer bestehenden WordPress-Website, und am passgenauesten als individuelle Lösung. Welcher Weg der richtige ist, hängt weniger vom Sortiment ab als von drei Fragen: Wie sehr weicht euer Verkaufsprozess vom Standard ab, wer pflegt den Shop im Alltag, und welche Schweizer Besonderheiten müssen von Anfang an funktionieren.

Dieser Artikel vergleicht die drei Wege mit Zahlen, die wir am 23. September 2026 auf den Anbieterseiten geprüft haben, und zeigt am Beispiel unserer eigenen Shopify-Referenz, wie ein Shop im Markenauftritt eines KMU aussehen kann.

Die drei Wege im Überblick

Die Unterschiede liegen nicht in der Frage, ob man Produkte verkaufen kann, denn das können alle drei. Sie liegen darin, wer sich um Technik, Sicherheit und Weiterentwicklung kümmert.

KriteriumShopifyWooCommerceIndividuell
Grundlagegemietete Plattform (SaaS)Plugin für WordPresseigene Software
Lizenzkostenab CHF 21/Mt. bei JahreszahlungPlugin kostenloskeine
Hosting, Updates, SicherheitShopifyihr oder eure Agenturihr oder eure Agentur
TWINTüber Shopify Paymentsüber Plugin eines Zahlungsanbietersüber Zahlungsanbieter-Schnittstelle
Anpassbarkeithoch im Rahmen des Systemssehr hochunbegrenzt
Typischer EngpassApps summieren sichWartung und Plugin-KonflikteEntwicklungsbudget

Preise und Funktionen: Stand: 2026-09-23, Quellen im jeweiligen Abschnitt.

Shopify: der schnellste Weg, mit laufenden Gebühren

Shopify ist eine gemietete Plattform. Ihr bezahlt monatlich und bekommt dafür Hosting, Sicherheitsupdates, Kasse und Zahlungsabwicklung aus einer Hand. Laut shopify.com/ch kostet der Basic-Tarif CHF 21 pro Monat bei jährlicher Zahlung und CHF 29 bei monatlicher, Grow CHF 59 und Advanced CHF 269 pro Monat bei jährlicher Zahlung (Stand: 2026-09-23).

Wichtiger als der Grundpreis sind die Transaktionsgebühren, weil sie mit dem Umsatz wachsen. Mit Shopify Payments nennt die Preisseite für Online-Kartenzahlungen 2,95 % + CHF 0.30 im Basic-Tarif, 2,75 % im Grow- und 2,55 % im Advanced-Tarif, jeweils plus CHF 0.30. TWINT kostet im Basic-Tarif 1,75 % + CHF 0.30. Wer statt Shopify Payments einen externen Zahlungsanbieter nutzt, zahlt laut Preisseite zusätzliche Transaktionsgebühren für externe Anbieter, im Basic-Tarif 2 %.

TWINT in Shopify. Das ist für Schweizer Shops oft der entscheidende Punkt. Laut Shopify-Hilfe wird TWINT in den Zahlungseinstellungen von Shopify Payments aktiviert. Voraussetzungen: Der Shop muss CHF an der Kasse akzeptieren, die Kundschaft muss sich in der Schweiz befinden und in CHF bezahlen, und für Abo-Produkte ist TWINT nicht verfügbar (Stand: 2026-09-23).

Wo Shopify an Grenzen kommt. Viele Funktionen, die ein Shop braucht, etwa Bewertungen, erweiterte Filter oder Buchhaltungsanbindungen, kommen als Apps dazu, oft mit eigenen Monatsgebühren. Rechnet diese Apps deshalb in den Vergleich ein, nicht nur den Grundtarif. Und das Theme, der Checkout und die Datenstruktur gehören der Plattform. Was das beim späteren Wechsel bedeutet, haben wir in Wem gehört eigentlich die Website? beschrieben.

WooCommerce: kostenlos als Plugin, nicht im Betrieb

WooCommerce ist eine Erweiterung für WordPress. Laut wordpress.org ist die Kernsoftware kostenlos, mit optionalen kostenpflichtigen Erweiterungen; aktuell ist Version 11.1.2 mit über sieben Millionen aktiven Installationen (Stand: 2026-09-23).

Kostenlos heisst hier: keine Lizenzgebühr. Bezahlt werden Hosting, regelmässige Updates von WordPress, WooCommerce und allen Erweiterungen, Sicherheitsüberwachung und die Behebung von Konflikten zwischen Plugins. Diese Arbeit fällt jeden Monat an, ob jemand sie einplant oder nicht.

TWINT in WooCommerce. TWINT lässt sich laut TWINT nur über einen Zahlungsdienstleister oder ein entsprechendes Plugin in Onlineshops einbinden. Für WooCommerce gibt es mehrere Wege, darunter eine Erweiterung, die TWINT selbst auf GitHub veröffentlicht, sowie Plugins von Schweizer Zahlungsanbietern, die TWINT, Karten und PostFinance in einem Plugin bündeln.

Wann WooCommerce passt. Wenn ihr bereits eine gut gewartete WordPress-Website betreibt, der Shop ein Zusatz zum Hauptgeschäft ist und jemand die Updates verantwortet. Ob WordPress selbst ein Nachteil für Suchmaschinen ist, haben wir in Rankt eine WordPress-Seite schlechter? untersucht; kurz gesagt: nicht das System, sondern die Umsetzung entscheidet.

Individuell: wenn die Geschäftslogik nicht in eine Vorlage passt

Ein individueller Shop ist dann sinnvoll, wenn euer Verkaufsprozess vom Standardablauf «Produkt wählen, in den Warenkorb, bezahlen» deutlich abweicht. Typische Fälle: Produkte, die konfiguriert werden müssen, Lieferungen nur in bestimmte Zonen, Preise, die von Mengen oder Kundengruppen abhängen, oder eine enge Anbindung an ein bestehendes Warenwirtschaftssystem.

Ein Beispiel aus unseren eigenen Projekten ist das Liefersystem für Don Leone Delivery, bei dem nur in definierte Zonen geliefert wird. Eine solche Zonenlogik lässt sich in Standardshops meist nur über Zusatzmodule und Umwege abbilden. Der Preis dieses Wegs ist das Entwicklungsbudget am Anfang und die Verantwortung für den Betrieb danach. Wo die Grenze zwischen Kaufen und Selbstbauen liegt, rechnet Make-or-Buy bei Software allgemein durch.

Die Schweizer Besonderheiten, die jeder Shop lösen muss

Diese Punkte gelten unabhängig vom System, und sie werden in internationalen Vergleichsartikeln fast immer übergangen.

Preise in Franken, inklusive MWST. Die Preisbekanntgabeverordnung verlangt gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten den tatsächlich zu bezahlenden Preis in Schweizer Franken. Laut SECO gehören überwälzte öffentliche Abgaben wie die Mehrwertsteuer in diesen Detailpreis. Ein Shop, der Nettopreise zeigt und die MWST erst an der Kasse addiert, verstösst dagegen.

MWST-Pflicht und Sätze. Mehrwertsteuerpflichtig wird ein Unternehmen, sobald es die Umsatzgrenze von 100 000 Franken erreicht oder beim Start absehbar überschreitet. Seit dem 1. Januar 2024 gelten 8,1 % als Normalsatz, 2,6 % als reduzierter Satz, etwa für viele Lebensmittel und Bücher, und 3,8 % als Sondersatz für Beherbergung (ESTV, Stand: 2026-09-23). Jedes Produkt braucht im Shop den richtigen Satz.

Pflichtangaben im Shop. Art. 3 Abs. 1 lit. s UWG verlangt für den elektronischen Geschäftsverkehr neben Identität und Kontaktadresse, dass ihr auf die technischen Schritte zum Vertragsabschluss hinweist, Eingabefehler korrigierbar macht und Bestellungen unverzüglich elektronisch bestätigt. Die Details stehen in Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner.

Versand und Zoll. Wer in die EU liefert, verlässt das Schweizer Zollgebiet. Für die Kundschaft entstehen dabei Einfuhrabgaben, die sie oft erst bei der Zustellung bemerkt. Entscheidet vor dem Start, ob ihr überhaupt ins Ausland liefert, und wenn ja, wie ihr diese Kosten transparent macht.

Zahlungsmittel. TWINT ist in der Schweiz weit verbreitet, dazu kommen Karten und für Geschäftskunden oft die Rechnung. Plant die Zahlungsarten vom Kunden her, nicht vom System.

Ein Beispiel: JUCAN Massanzüge

Unsere Shopify-Referenz ist JUCAN Massanzüge in Zürich. Für die Marke haben wir eine neue Website mit eigenem Branding gebaut, einen Shopify Store im gleichen Look and Feel aufgesetzt und die SEO-Arbeit dazu umgesetzt. Die Aufgabe war typisch für ein Schweizer KMU mit einem erklärungsbedürftigen Produkt: Der Shop muss verkaufen, darf aber die Exklusivität der Marke nicht wie ein Standard-Template aussehen lassen.

Für die Wahl der Plattform ist das Beispiel lehrreich, weil es zeigt, dass Shopify nicht nach Template aussehen muss: Shop und Website teilen sich Markenauftritt und Gestaltung, sodass Kundinnen und Kunden keinen Bruch zwischen Inhalt und Kasse erleben. Kennzahlen zum Shop-Umsatz veröffentlichen wir nicht, weil sie dem Kunden gehören. Die Projektbeschreibung steht unter Referenz JUCAN. Wie wir Shopify-Projekte aufsetzen, beschreibt unsere Seite zur Shopify-Agentur.

Welcher Weg für wen

Die Entscheidung lässt sich auf vier Situationen herunterbrechen:

  • Ihr startet neu, Sortiment bis einige hundert Produkte, Standardablauf: Shopify. Schnell live, TWINT inklusive, keine eigene Serverwartung.
  • Ihr habt eine gepflegte WordPress-Website und der Shop ist ein Zusatz: WooCommerce, sofern Wartung vertraglich geregelt ist.
  • Euer Verkaufsprozess weicht deutlich ab, oder Warenwirtschaft und Shop müssen eng zusammenarbeiten: individuell, am besten nach einem Prototyp, der die Logik vor dem Vollausbau prüft.
  • Ihr wollt zuerst testen, ob online überhaupt jemand kauft: Shopify im Basic-Tarif mit wenigen Produkten, bevor ihr in ein grosses Projekt investiert.

Ein Baukasten mit Shop-Funktion kann für den allerersten Test ebenfalls reichen. Wo Baukästen bei der Auffindbarkeit an Grenzen stossen, steht in Wix, Squarespace oder Agentur; den Vergleich der Website-Basis selbst behandelt Wix, WordPress oder individuell.

Wenn der Shop steht, ist der nächste Schritt meistens die Sichtbarkeit der Produkte in der Google-Suche. Wie das mit dem Merchant Center funktioniert, beschreibt Google Shopping für Schweizer Shops.

Was ein Shop-Projekt wirklich kostet

Die Plattform ist fast nie der grösste Posten. Die Arbeit liegt bei Produktdaten, Bildern, Texten, Versandregeln, Zahlungsanbindung und Tests. Wer 200 Produkte mit Varianten, sauberen Fotos und eigenen Beschreibungen online bringen will, hat eine Content-Aufgabe vor sich, die grösser ist als die technische Einrichtung. Plant diese Arbeit ehrlich ein, bevor ihr über Tarife verhandelt.

Wenn ihr die Entscheidung nicht allein treffen wollt, hilft ein Gespräch mit der E-Commerce-Beratung, bevor ein System gewählt ist. Für die Umsetzung arbeiten wir als E-Commerce-Agentur.

Fazit

Den einen besten Weg, einen Onlineshop in der Schweiz zu erstellen, gibt es nicht. Shopify ist für die meisten KMU der schnellste und verlässlichste Start, mit TWINT direkt über Shopify Payments und laufenden Gebühren, die mit dem Umsatz wachsen. WooCommerce ist die richtige Wahl, wenn WordPress bereits sauber läuft und die Wartung geregelt ist. Eine individuelle Lösung lohnt sich erst, wenn eure Geschäftslogik nicht in ein Standardsystem passt. Unabhängig vom Weg gilt: Franken-Preise inklusive MWST, die Pflichtangaben nach UWG und eine ehrliche Versandlogik müssen am ersten Tag stimmen.

Häufige Fragen

Was kostet Shopify in der Schweiz?+

Laut shopify.com/ch kostet der Basic-Tarif CHF 21 pro Monat bei jährlicher Zahlung (CHF 29 bei monatlicher), Grow CHF 59 und Advanced CHF 269 pro Monat bei jährlicher Zahlung. Dazu kommen Zahlungsgebühren: Mit Shopify Payments kosten Online-Kartenzahlungen im Basic-Tarif 2,95 % + CHF 0.30, TWINT 1,75 % + CHF 0.30 (Stand: 2026-09-23). Apps, Theme und Umsetzung sind nicht enthalten.

Kann ich mit Shopify TWINT anbieten?+

Ja, über Shopify Payments. Laut Shopify-Hilfe müsst ihr dafür CHF an der Kasse akzeptieren, Kundinnen und Kunden müssen sich in der Schweiz befinden und in CHF bezahlen, und Abo-Produkte können nicht mit TWINT bezahlt werden (Stand: 2026-09-23).

Ist WooCommerce kostenlos?+

Das Plugin selbst ja: Die Kernsoftware ist laut wordpress.org kostenlos, mit optionalen kostenpflichtigen Erweiterungen. Bezahlt werden Hosting, Wartung, Updates, ein Zahlungsanbieter und in der Regel mehrere Erweiterungen. Die Gesamtkosten entstehen also im Betrieb, nicht bei der Lizenz.

Ab wann muss ein Onlineshop MWST abrechnen?+

Ein Unternehmen wird mehrwertsteuerpflichtig, sobald es die Umsatzgrenze von 100 000 Franken erreicht oder beim Start absehbar überschreiten wird (ESTV). Seit dem 1. Januar 2024 gelten 8,1 % als Normalsatz, 2,6 % als reduzierter Satz und 3,8 % als Sondersatz für Beherbergung.

Über den Autor

Daniel Müller

Senior Developer & SEO-Stratege

Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.

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