Wix, Squarespace oder Agentur: was ein Baukasten für SEO leistet und wo er an die Grenze kommt
Baukästen decken die technischen SEO-Grundlagen heute zuverlässig ab — die Diskussion «Baukasten kann kein SEO» ist überholt. Die echten Grenzen liegen woanders: bei dem, was ausgeliefert wird, bei der Kontrolle über strukturierte Daten und bei den Kosten des Ausstiegs. Mit einem Zehn-Minuten-Test und einer Fünf-Jahres-Rechnung.

Ein Baukasten wie Wix oder Squarespace deckt die technischen SEO-Grundlagen einer Website zuverlässig ab: eigene Seitentitel und Beschreibungen, lesbare URLs, HTTPS, mobile Darstellung, automatisch gepflegte Sitemap und Weiterleitungen gehören zum Lieferumfang und funktionieren ohne Zutun. Die Grenze verläuft nicht bei diesen Einstellungen, sondern eine Ebene tiefer — bei dem, was der Server am Ende tatsächlich ausliefert, bei der Kontrolle über strukturierte Daten und bei der Frage, wie teuer ein späterer Wechsel wird.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Debatte meistens an der falschen Stelle geführt wird. «Baukasten kann kein SEO» war vor zehn Jahren ein berechtigter Einwand und ist heute schlicht falsch. Wer ihn trotzdem hört, hört meistens ein Verkaufsargument. Der ehrliche Vergleich sieht anders aus, und er fällt differenzierter aus, als beide Lager es gern hätten.
Was ein Baukasten für SEO zuverlässig leistet
Ein moderner Baukasten erledigt die Pflichtaufgaben des technischen SEO, bevor jemand eine Einstellung anfasst — und zwar besser als viele von Hand gebaute Seiten. Verschlüsselung ist Standard, die Darstellung auf dem Mobiltelefon ist nicht optional, Bilder werden automatisch in moderne Formate umgerechnet und in mehreren Grössen ausgeliefert, die Sitemap aktualisiert sich selbst, und ein Content-Delivery-Netzwerk sorgt dafür, dass die Auslieferung geografisch nah beim Besucher passiert.
Das sind exakt die Punkte, an denen selbst gebaute Seiten regelmässig scheitern. Wir sehen in Website-Audits mit schöner Regelmässigkeit individuell entwickelte Seiten ohne saubere Weiterleitungen, mit unkomprimierten Bildern im Megabyte-Bereich und ohne funktionierende Sitemap. Ein Baukasten macht diese Fehler nicht, weil er sie gar nicht zulässt.
Auch bei den redaktionellen Grundlagen ist der Baukasten kein Hindernis. Titel, Beschreibung, Überschriftenstruktur, Alternativtexte und interne Verlinkung sind bearbeitbar. Wer eine Seite hat, die nicht gefunden wird, hat in neun von zehn Fällen ein Inhalts- und Strukturproblem und kein Plattformproblem. Vier dünne Seiten mit je hundert Wörtern ranken auf keinem System.
Erst die Diagnose, dann die Plattformfrage
Bevor ihr über einen Wechsel nachdenkt: Prüft, ob es überhaupt Seiten gibt, die eine konkrete Kundenfrage zu Ende beantworten. Wenn nicht, löst ein Plattformwechsel nichts — er verschiebt das gleiche Problem nur auf teurere Technik.Wo die Grenze wirklich verläuft: bei dem, was ausgeliefert wird
Die Grenze eines Baukastens zeigt sich nicht im Einstellungsmenü, sondern im Quelltext der fertigen Seite: entscheidend ist, wie viele Bytes für wie viel Text ausgeliefert werden und wie schnell die Seite auf einem durchschnittlichen Mobiltelefon bedienbar ist. Genau darauf habt ihr in einem geschlossenen System nur begrenzten Zugriff, weil Vorlage, Animationsbibliotheken und jede installierte Zusatz-App eigenen Code mitbringen, den ihr nicht entfernen könnt.
Bevor daraus ein Argument gegen Baukästen wird: Das Problem ist plattformunabhängig. Wir hatten es auf unserer eigenen, selbst gebauten Seite. Eine an sich sinnvolle Einstellung im Framework — das Einbetten des gesamten CSS direkt in die Seite — führte dazu, dass unsere Seite /seo-agentur-zuerich 517 KB HTML auslieferte. Nach dem Entfernen dieser Einstellung waren es 159 KB. Die Text-Ratio, also der Anteil echten Textes am ausgelieferten Dokument, stieg von 2.45 auf 9.45 Prozent, und die Datenmenge bei internen Klicks sank um 79 Prozent (eigene Messung, August 2026).
Die interessante Rechnung steckt in den beiden Verhältniszahlen. 2.45 Prozent von 517 KB sind rund 12.7 KB Text. 9.45 Prozent von 159 KB sind rund 15.0 KB Text. Der Textanteil ist also praktisch gleich geblieben — verschwunden sind ausschliesslich 358 KB Beiwerk, das nie jemand gelesen hat. Bei 5'000 Seitenaufrufen im Monat sind das rund 1.75 GB, die niemandem gefehlt haben. Was das für die Verwertbarkeit durch Suchmaschinen und AI-Systeme bedeutet, haben wir in Text-Ratio und Payload in der KI-Suche ausführlich aufgeschrieben.
Der Unterschied zwischen Baukasten und Eigenbau ist nicht, dass das eine System dieses Problem hat und das andere nicht. Der Unterschied ist, dass wir es bei uns in einer Zeile abstellen konnten. Im Baukasten hättet ihr an dieser Stelle die Wahl zwischen der Vorlage und einer anderen Vorlage.
Strukturierte Daten und die Sichtbarkeit in AI-Suchen
Bei strukturierten Daten verläuft die Grenze zwischen «Standardfall automatisch» und «Sonderfall gar nicht»: Baukästen erzeugen Schema-Markup für die vorgesehenen Seitentypen selbstständig, aber alles darüber hinaus hängt davon ab, ob die Plattform eigenes JSON-LD in den Kopfbereich der Seite lässt und ob es sich mit dem automatisch erzeugten verträgt.
Das ist kein akademisches Detail mehr. AI-Systeme, die Antworten aus Webseiten zusammensetzen, brauchen eindeutig ausgezeichnete Entitäten — wer ist das Unternehmen, welche Leistung wird zu welchem Preis angeboten, welche Frage wird auf dieser Seite beantwortet. Die Mechanik dahinter beschreiben wir in Schema.org für AI-Sichtbarkeit. Wenn eure Seite eine Leistung mit einem lokalen Bezug und einer Preisangabe anbietet, ist das im Baukasten selten sauber abbildbar.
Ähnlich sieht es bei zwei weiteren Sonderfällen aus. Erstens Weiterleitungsregeln über Muster statt einzeln — wer 200 alte URLs umziehen will, will keine 200 Formulare ausfüllen. Zweitens mehrsprachige Seiten mit korrektem hreflang, sobald mehr als die zwei vorgesehenen Sprachen dazukommen. Beides ist auf einer eigenen Basis eine Konfigurationsdatei und im Baukasten ein Support-Ticket.
Der Zehn-Minuten-Test: braucht ihr überhaupt mehr?
Die Frage «Baukasten oder Agentur» lässt sich in zehn Minuten an der eigenen Seite entscheiden, statt sie theoretisch zu diskutieren. Sechs Prüfpunkte reichen. Jedes «nein» ist ein Argument für den Wechsel, kein einzelnes ist allein entscheidend.
| Prüfpunkt | Wie ihr es prüft | Grenzwert |
|---|---|---|
| Ladeverhalten auf dem Mobiltelefon | PageSpeed Insights, Feld-Daten der letzten 28 Tage | LCP unter 2.5 s, INP unter 200 ms |
| Grösse des ausgelieferten HTML | Seitenquelltext speichern, Dateigrösse ansehen | unter 200 KB ohne Bilder |
| Eigenes Schema-Markup möglich | Testen, ob eigenes JSON-LD im Head landet | muss ohne Umweg gehen |
| Weiterleitungen in Serie | Gibt es Regeln oder nur Einzeleinträge? | Regeln nötig ab ca. 50 URLs |
| Inhaltsexport | Was gibt der Export tatsächlich her? | Text, Bilder, Struktur |
| Anzahl Seiten in zwei Jahren | Plan durchgehen | über 100 Seiten wird handpflege-kritisch |
Die ersten beiden Punkte sind die härtesten. Was hinter LCP und INP steckt und warum gerade der Interaktivitätswert Baukästen mit vielen Zusatz-Apps trifft, steht in Core Web Vitals und INP. Wenn die Feld-Daten grün sind, das HTML schlank ist und ihr unter fünfzig Seiten bleibt, gibt es kein technisches Argument für einen Wechsel. Dann steckt euer Budget besser in Inhalt.
Die Fünf-Jahres-Rechnung
Über fünf Jahre gerechnet ist der Baukasten günstiger als eine Agentur-Website — bis der Wechsel dazukommt, und dann kippt die Rechnung. Die folgende Aufstellung ist ein Rechenbeispiel mit klar benannten Annahmen, keine Marktzahl. Ersetzt die linke Spalte durch eure tatsächlichen Tarife, die Struktur bleibt gleich.
| Posten über 5 Jahre | Baukasten (Annahme) | Eigene Website (DLM-Rahmen) |
|---|---|---|
| Aufbau einmalig | 2'000 (40 h Eigenleistung à 50) | 3'000–25'000 |
| Plattform-Abo | 60 pro Monat × 60 = 3'600 | — |
| Hosting | im Abo enthalten | 30 pro Monat × 60 = 1'800 |
| Zusatz-Apps | 40 pro Monat × 60 = 2'400 | 0–600 |
| Pflege und kleine Änderungen | 1'500 | 1'500 |
| Summe ohne Wechsel | 9'500 | 6'300–28'900 |
| Wechsel im Jahr 5 (Nachbau von Hand) | 4'000–8'000 | 0 |
| Summe mit Wechsel | 13'500–17'500 | 6'300–28'900 |
Zwei Dinge sind daran wichtig. Erstens: Ohne Wechsel gewinnt der Baukasten gegen fast jedes Agenturprojekt, und das ist ein völlig legitimes Ergebnis. Zweitens: Der Posten «Wechsel» ist kein Schreckgespenst, sondern eine dokumentierte Eigenschaft der Plattformen. Der Squarespace-Hilfeartikel zum Export benennt selbst, dass der Export eine XML-Datei für WordPress erzeugt und dabei nur Layout-Seiten, eine einzige Blog-Seite samt Beiträgen sowie Text- und Bildblöcke umfasst — während Produktseiten, Album-, Index- und Kalenderseiten, seitenspezifische Kopf- und Fusszeilen, Stileinstellungen und eigenes CSS nicht mitkommen. Ein Umzug ist damit kein Import, sondern ein Nachbau.
Wie sich der Rahmen für eine eigene Website im Einzelnen zusammensetzt, steht auf unserer Seite zu den Webdesign-Preisen; den Ablauf beschreiben wir unter Website erstellen lassen.
Der Wechsel wird immer teurer, nie günstiger
Je länger eine Baukasten-Seite läuft, desto mehr Seiten, Weiterleitungen und Rankings hängen daran. Wer den Wechsel plant, macht ihn am besten, solange die Seite klein ist — nicht dann, wenn sie endlich funktioniert.Wann welcher Weg der richtige ist
Der Baukasten ist die richtige Wahl, wenn die Website vor allem Visitenkarte ist und der Umsatz woanders entsteht. Ein Restaurant mit Öffnungszeiten, Karte und Reservierung, ein Handwerksbetrieb mit vier Leistungsseiten und einem Kontaktformular, ein Verein: Für diese Fälle ist ein Baukasten sachlich die beste Lösung, und alles andere wäre überteuert.
Die eigene Basis lohnt sich, wenn die Website ein Vertriebskanal ist. Konkret heisst das: Ihr habt mehr als fünfzig Seiten, ihr veröffentlicht regelmässig, es hängen Anbindungen an CRM oder Warenwirtschaft daran, ihr braucht Ortsseiten oder mehrsprachige Varianten in Serie, oder ihr messt Umsatz pro Kanal und wollt am Ladeverhalten arbeiten können. In diesen Fällen ist die Plattform nicht Kosmetik, sondern Betriebsmittel. Was eine Web-Agentur dabei tatsächlich übernimmt und wo die Grenzen der Zusammenarbeit liegen, haben wir dort offengelegt.
Der dritte Weg wird selten genannt und passt oft am besten: Baukasten behalten, aber SEO getrennt betreiben. Struktur, Inhalt und interne Verlinkung bringen auf jeder Plattform Wirkung, und laufende Betreuung beginnt bei uns bei CHF 300 pro Monat für Local SEO. Für viele KMU ist das der rationalere erste Schritt als ein Relaunch — mehr dazu auf unserer Seite zur SEO-Agentur für KMU.
Fazit
Baukästen sind kein SEO-Problem. Sie erledigen die technischen Pflichtaufgaben zuverlässig und verhindern Fehler, die auf selbst gebauten Seiten regelmässig passieren. Wer trotzdem nicht gefunden wird, hat fast immer zu wenig Inhalt, nicht die falsche Plattform.
Die realen Grenzen sind spezifisch und benennbar: begrenzter Zugriff auf das, was ausgeliefert wird, Schema-Markup nur für vorgesehene Fälle, keine Weiterleitungsregeln in Serie, und ein Export, der weniger hergibt, als man beim Einzug annimmt. Prüft diese vier Punkte an eurer eigenen Seite, bevor ihr über einen Wechsel entscheidet. Wenn keiner davon greift, bleibt beim Baukasten und steckt das Geld in Inhalt. Wenn zwei oder mehr greifen, wird der Wechsel mit jedem Monat teurer.
Häufige Fragen
Kann man mit Wix oder Squarespace bei Google ranken?+
Ja. Beide Plattformen liefern die technischen Pflichtaufgaben mit: eigene Titel und Beschreibungen, saubere URLs, HTTPS, mobile Darstellung, automatische Sitemap und Weiterleitungen. Eine gut gepflegte Baukasten-Seite mit substanziellem Inhalt rankt zuverlässig. Die Plattform ist selten der Grund, warum eine Seite nicht gefunden wird — fehlender Inhalt und fehlende interne Struktur sind es fast immer.
Wo kommt ein Baukasten beim SEO wirklich an die Grenze?+
An drei Stellen: bei der Grösse und Zusammensetzung dessen, was ausgeliefert wird, weil Vorlagen und Zusatz-Apps Code mitbringen, den ihr nicht entfernen könnt; bei strukturierten Daten jenseits der Standardfälle, weil ihr auf das angewiesen seid, was die Plattform in den Head lässt; und bei Sonderfällen wie eigenen Weiterleitungsregeln, hreflang über mehrere Sprachen oder programmatisch erzeugten Seiten.
Ab wann lohnt sich der Wechsel vom Baukasten zur Agentur?+
Dann, wenn die Website messbar Umsatz bringt und der nächste Fortschritt an der Plattform scheitert statt am Inhalt. Konkret: wenn Ladezeit und Interaktivität trotz optimierter Bilder schlecht bleiben, wenn ihr strukturierte Daten oder Weiterleitungen braucht, die das System nicht zulässt, oder wenn die Zahl der Seiten so wächst, dass Pflege von Hand nicht mehr geht.
Was kostet der Umstieg vom Baukasten auf eine eigene Website?+
Bei DLM Digital liegt eine Website zwischen CHF 3'000 und CHF 25'000, abhängig von Umfang, Anzahl Vorlagen und Anbindungen. Dazu kommt der Aufwand für die Inhaltsübernahme, der beim Baukasten regelmässig unterschätzt wird: Exportfunktionen decken meist nur Text und Blogbeiträge ab, während Layout, Sonderseiten und individuelle Anpassungen von Hand nachgebaut werden müssen.
Über den Autor
Daniel MüllerSenior Developer & SEO-Stratege
Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.


