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KI

DeepSeek im Unternehmen: Datenschutz-Check für Schweizer KMU

DeepSeek ist zwei Dinge: eine App aus China, deren Daten laut Datenschutzerklärung in China gespeichert werden, und offene Modelle unter MIT-Lizenz, die sich auf eigener Infrastruktur betreiben lassen. Für Schweizer KMU ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein Check mit Quellen und Stand-Datum.

Daniel Müller8 Min. Lesezeit
DeepSeek im Unternehmen: Datenschutz-Check für Schweizer KMU

Ob DeepSeek für ein Schweizer KMU in Frage kommt, hängt davon ab, was man damit meint. Die DeepSeek-App und die DeepSeek-Website eignen sich nicht für Firmen- oder Kundendaten, weil die Daten laut Datenschutzerklärung in China gespeichert und zum Training verwendet werden. Die offenen DeepSeek-Modelle dagegen können Sie auf eigener Infrastruktur oder bei einem Schweizer Hoster betreiben; dann fliessen keine Daten an DeepSeek, und die Modelle werden zu einer ernsthaften Option.

Das Interesse ist gross: «deepseek» wird in der Schweiz laut Google-Ads-Daten, abgefragt über DataForSEO am 2026-09-23, rund 40'500 Mal pro Monat gesucht. Die folgenden Aussagen stützen sich auf die Datenschutzerklärung von DeepSeek, die Modellseiten auf Hugging Face und die Staatenliste des Bundes, alle am 23. September 2026 geprüft.

Die App: was die Datenschutzerklärung sagt

Die Datenschutzerklärung für die DeepSeek-Apps, -Websites und -Dienste trägt das Datum «Last Update: Feb 10, 2026». Die für Unternehmen wichtigsten Punkte:

  • Verantwortlich ist die Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence Co., Ltd. mit eingetragenem Sitz in China.
  • Speicherort: DeepSeek schreibt, dass es Personendaten zur Erbringung seiner Dienste direkt in der Volksrepublik China erhebt, bearbeitet und speichert.
  • Training: Personendaten werden unter anderem verwendet, um die Dienste zu verbessern und die Modelle zu trainieren. Nutzerinnen und Nutzer haben laut Erklärung das Recht, der Verwendung für das Training zu widersprechen.
  • Konzerngesellschaften: Daten können von Gesellschaften der Unternehmensgruppe bearbeitet werden, unter anderem für Speicherung, Forschung und Entwicklung sowie Training und Optimierung der Basismodelle.
  • Europa: Für Nutzerinnen und Nutzer im EWR, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich gelten Zusatzbestimmungen; als Vertretung für die EU und das Vereinigte Königreich ist ein externer Dienstleister benannt.

Ein Detail ist für Entwicklerteams wichtig: Die Erklärung deckt nicht die Anwendungen ab, die Dritte über die Entwicklerplattform von DeepSeek bauen. Wer ein Werkzeug nutzt, das im Hintergrund die DeepSeek-API aufruft, muss die Datenschutzerklärung dieses Werkzeugs prüfen, und dessen Daten gehen in der Regel ebenfalls an DeepSeek.

Was das revidierte DSG dazu sagt

Das Datenschutzgesetz erlaubt die Bekanntgabe von Personendaten ins Ausland ohne weitere Massnahmen nur in Staaten, die der Bundesrat als angemessen anerkannt hat. Diese Staaten stehen im Anhang 1 der Datenschutzverordnung; laut EDÖB ist das die massgebliche Liste (Art. 16 Abs. 1 DSG). Die Volksrepublik China steht nicht darauf (Stand: 2026-09-23). Für eine Bekanntgabe dorthin braucht es deshalb besondere Garantien, etwa vertragliche Datenschutzklauseln oder Standarddatenschutzklauseln nach Art. 16 Abs. 2 DSG, oder eine der gesetzlichen Ausnahmen.

Wenn eine Mitarbeiterin eine Kundenanfrage mit Namen, Adresse und Vertragsdetails in die DeepSeek-App kopiert, gibt das Unternehmen Personendaten nach China bekannt, ohne dass eine dieser Voraussetzungen erfüllt ist. Das ist der Kern des Problems, nicht die Frage, ob DeepSeek vertrauenswürdig ist. Dieselbe Logik gilt übrigens für jeden Dienst ausserhalb der anerkannten Staaten; bei US-Anbietern hilft das Swiss-US Data Privacy Framework, sofern der Anbieter zertifiziert ist. Die allgemeinen Regeln für KI und Datenschutz fasst der Beitrag KI-Compliance in der Schweiz zusammen.

Eine klare Regel fürs Team

Die DeepSeek-App ist für Firmendaten tabu: keine Kundendaten, keine Personaldaten, keine vertraulichen Dokumente, keine Quellcodes. Für öffentliche Informationen, etwa um einen allgemeinen Begriff erklären zu lassen, ist sie nicht gefährlicher als andere Gratis-Chatbots, aber auch nicht nötig. Halten Sie die Regel schriftlich fest und nennen Sie die erlaubten Alternativen.

Die offenen Modelle: eine andere Geschichte

DeepSeek veröffentlicht seine Sprachmodelle als offene Gewichte. Auf Hugging Face standen am 2026-09-23 unter anderem die Modelle der Reihe DeepSeek-V4 als Vorschau bereit. Laut Modellkarte hat DeepSeek-V4-Flash 284 Milliarden Parameter, von denen pro Anfrage 13 Milliarden aktiv sind, DeepSeek-V4-Pro 1,6 Billionen mit 49 Milliarden aktiven Parametern; beide unterstützen Kontexte bis zu einer Million Tokens. Modelle und Gewichte stehen unter der MIT-Lizenz, die auch kommerzielle Nutzung erlaubt.

Wer ein solches Modell selbst betreibt, auf eigenen Servern oder bei einem Hoster in der Schweiz oder der EU, schickt keine Daten an DeepSeek. Die Datenschutzfrage stellt sich dann nur noch gegenüber dem eigenen Rechenzentrum oder dem Hoster, mit dem Sie einen Auftragsbearbeitungsvertrag abschliessen. Was ein Large Language Model technisch ist und wie offene Modelle funktionieren, erklärt unser Glossar.

Die praktischen Hürden beim Selbstbetrieb

Hardware. Ein Modell mit 284 Milliarden Parametern läuft nicht auf einem Büro-PC. Auch wenn nur ein Teil davon pro Anfrage aktiv ist, muss das ganze Modell im Speicher liegen. Das heisst: Server mit mehreren leistungsfähigen Grafikkarten oder ein spezialisierter Hoster. Für kleinere Aufgaben gibt es von vielen Anbietern kleinere offene Modelle, die auf einzelnen Grafikkarten oder sogar auf leistungsfähigen Arbeitsrechnern laufen, etwa über Werkzeuge wie Ollama oder LM Studio.

Qualität für den eigenen Zweck. Ein Modell, das in Benchmarks gut abschneidet, ist nicht automatisch gut für Schweizer Hochdeutsch, für Ihre Fachsprache oder für Ihre Dokumente. Testen Sie mit echten Aufgaben, bevor Sie investieren.

Inhaltliche Verzerrungen. Jedes Modell spiegelt seine Trainingsdaten und die Vorgaben seines Herstellers, und das gilt für amerikanische, europäische und chinesische Modelle gleichermassen. Für typische KMU-Aufgaben wie Zusammenfassungen, Klassifizierung oder Textentwürfe spielt das selten eine Rolle. Wenn ein Modell Inhalte zu Politik, Gesellschaft oder Zeitgeschehen verarbeiten soll, prüfen Sie seine Antworten zu genau diesen Themen mit eigenen Testfragen, bevor Sie es produktiv einsetzen.

Betrieb. Ein selbst betriebenes Modell braucht Updates, Überwachung und jemanden, der sich verantwortlich fühlt. Die Abwägung zwischen eigenem Betrieb und Cloud-Diensten beschreibt der Beitrag Lokale LLMs vs. Cloud.

Drei Prüffragen für die IT

Oft kommt DeepSeek nicht über die App ins Unternehmen, sondern versteckt: als wählbares Modell in einem Programmierwerkzeug, in einer Browsererweiterung oder in einer Automatisierungsplattform. Drei Fragen helfen, solche Fälle zu erkennen:

  1. Wo läuft das Modell? Beim Hersteller des Werkzeugs, bei DeepSeek selbst oder bei einem Drittanbieter? Das steht meist in der Dokumentation oder der Datenschutzerklärung des Werkzeugs.
  2. Wer ist Empfänger der Daten? Wenn Anfragen an die DeepSeek-API gehen, gelten dieselben Überlegungen wie bei der App.
  3. Lässt sich das Modell abwählen oder sperren? Viele Werkzeuge erlauben es Administratoren, bestimmte Modelle zu deaktivieren. Nutzen Sie das, statt auf Einzelregeln zu vertrauen.

Entscheidungshilfe

SituationEmpfehlung
Mitarbeitende wollen «mal schnell» einen Chatbot nutzennicht die DeepSeek-App, sondern ein Geschäftsplan eines Anbieters mit geklärtem Datenschutz
Sie verarbeiten sensible Daten und wollen volle Kontrolleoffenes Modell, betrieben in der Schweiz oder EU, DeepSeek als einer von mehreren Kandidaten
Sie bauen eine Anwendung auf einer APInicht die DeepSeek-API für Personendaten; offenes Modell bei einem Hoster oder Anbieter mit anerkanntem Datenschutzniveau
Sie wollen Kosten sparenoffene Modelle können günstig sein, der Betrieb kostet aber Zeit; rechnen Sie beides

Wenn Sie abwägen, welche Assistenten für den Alltag in Frage kommen, hilft der Überblick ChatGPT-Alternativen für Unternehmen. Eine europäische Option mit offenen Modellen stellt der Beitrag Mistral AI vor.

Fazit

DeepSeek ist kein Modell, das man pauschal verbieten oder empfehlen sollte. Die App ist für Firmendaten ungeeignet, weil die Daten laut Datenschutzerklärung nach China gehen und China nicht auf der Schweizer Staatenliste steht. Die offenen Modelle unter MIT-Lizenz sind dagegen ein legitimer Baustein für KMU, die ihre KI selbst betreiben wollen. Ob sich das lohnt und wie ein datenschutzkonformer Betrieb aussieht, klären wir mit Ihnen in der KI-Beratung.

Häufige Fragen

Ist DeepSeek für Unternehmen sicher?+

Die DeepSeek-App und -Website speichern Personendaten laut Datenschutzerklärung vom 10. Februar 2026 direkt in der Volksrepublik China und verwenden Eingaben zum Training, mit einer Möglichkeit zum Widerspruch. Für Firmen- und Kundendaten ist das aus Sicht des revidierten DSG problematisch. Die offenen DeepSeek-Modelle lassen sich dagegen auf eigener Infrastruktur betreiben, ohne dass Daten an DeepSeek fliessen.

Darf ich Kundendaten in DeepSeek eingeben?+

Davon raten wir ab. China steht nicht auf der Liste der Staaten mit angemessenem Datenschutz im Anhang 1 der Datenschutzverordnung. Eine Bekanntgabe von Personendaten dorthin braucht deshalb besondere Garantien, etwa Standarddatenschutzklauseln nach Art. 16 Abs. 2 DSG, oder eine gesetzliche Ausnahme, und diese liegen bei der Nutzung einer Gratis-App in der Regel nicht vor.

Kann ich DeepSeek lokal betreiben?+

Ja. DeepSeek veröffentlicht Modelle mit offenen Gewichten unter MIT-Lizenz, etwa DeepSeek-V4-Flash und DeepSeek-V4-Pro (Stand: 2026-09-23). Die grossen Modelle brauchen allerdings Server-Hardware; V4-Flash hat 284 Milliarden Parameter. Für viele KMU ist ein Hoster in der Schweiz oder EU, der offene Modelle betreibt, praktikabler als eigene Server.

Was ist der Unterschied zwischen der DeepSeek-App und den DeepSeek-Modellen?+

Die App ist ein Dienst, den DeepSeek aus China betreibt; Ihre Eingaben landen auf dessen Servern. Die Modelle sind Dateien, die Sie herunterladen und auf beliebiger Infrastruktur ausführen können. Wer ein offenes DeepSeek-Modell bei sich oder bei einem Schweizer Hoster betreibt, schickt keine Daten an DeepSeek.

Über den Autor

Daniel Müller

Senior Developer & SEO-Stratege

Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.

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