Knowledge-Work-Plugins erklärt: Claude Cowork für Vertrieb und KMU
Die Knowledge-Work-Plugins von Anthropic machen Claude Cowork und Claude Code zu Fachassistenten für Vertrieb, Finanzen, Recht, Marketing oder kleine Unternehmen. Wir erklären, woraus ein Plugin besteht, und haben mit dem Vertriebs-Skill call-prep ein Verkaufsgespräch für eine fiktive Winterthurer Schreinerei vorbereitet.

Was sind die Knowledge-Work-Plugins? Es ist die offizielle, quelloffene Plugin-Sammlung von Anthropic für Claude Cowork, die Arbeitsumgebung von Claude für Aufgaben ausserhalb der Programmierung. Ein Plugin macht Claude zu einem Assistenten für eine bestimmte Rolle: Es bringt Fachwissen und Arbeitsabläufe als Skills mit und verbindet Claude mit den Werkzeugen, die diese Rolle nutzt.
Laut README funktionieren die Plugins auch in Claude Code. Sie bestehen nur aus Markdown und JSON, ohne Programmcode und ohne Build-Schritt.
Warum die Knowledge-Work-Plugins gerade so gefragt sind
Das Repository anthropics/knowledge-work-plugins wurde am 23.01.2026 angelegt und hatte am 04.11.2026 34'696 Sterne und 3'833 Forks; auf der Monatsliste von GitHub-Trending stand es mit 8'685 neuen Sternen (Stand 04.11.2026, Quelle: GitHub). Plugins für Cowork hatte Anthropic Ende Januar 2026 vorgestellt, wie The New Stack berichtete.
Seither ist die Sammlung stark gewachsen. Laut Commit-Verlauf kam am 12.05.2026 das Plugin small-business dazu. Am 15.09.2026 wurde das Vertriebs-Plugin als Version 2.0.0 mit 36 Skills neu aufgebaut, am 21.10.2026 folgte Version 2.1.0, die jede Zeile mit Quelle und Link zur Prüfung versieht. Fast täglich aktualisiert das Repository zudem Partner-Plugins, am 04.11.2026 etwa die von Zapier, Prisma und Dropbox.
So funktioniert es
Jedes Plugin folgt laut README demselben Aufbau:
plugin-name/
├── .claude-plugin/plugin.json # Manifest: Name, Version, Beschreibung
├── .mcp.json # Connectors zu externen Werkzeugen
├── commands/ # Befehle, die man ausdrücklich aufruft
└── skills/ # Fachwissen, das Claude bei Bedarf lädt
- Skills enthalten Abläufe und Regeln. Claude lädt sie selbst, wenn eine Anfrage passt.
- Commands sind Befehle wie /finance:reconciliation, die man bewusst startet. In der aktuellen Fassung des Vertriebs-Plugins gibt es keinen eigenen commands-Ordner mehr; Befehle wie /sales:call-prep entstehen dort aus den Skills. Im ganzen Repository liegen noch 15 Dateien in commands-Ordnern, etwa im PDF-Viewer.
- Connectors sind MCP-Server, also standardisierte Verbindungen zu CRMEin CRM (Customer Relationship Management) ist eine Software, in der ein Unternehmen alle Informationen zu Kunden und Interessenten zentral verwaltet:…Mehr erfahren →, E-Mail, Kalender oder Chat. Das Vertriebs-Plugin listet 23 davon, unter anderem HubSpot, Salesforce, Slack, Microsoft 365 und Gong.
Die Skills sind werkzeugneutral geschrieben. Sie sprechen von «dem CRM» oder «dem Kalender», nicht von einem bestimmten Produkt. So lässt sich der Connector tauschen, ohne die Anleitung zu ändern.
Im Repository liegen 17 Plugins von Anthropic, darunter productivity, sales, finance, legal, marketing, data, customer-support, human-resources und small-business, dazu fünf Partner-Plugins. Die Datei marketplace.json listet insgesamt 123 Plugins; die meisten zeigen auf Repositories der Partner, jeweils auf einen festen Commit.
Installation
In Cowork werden die Plugins laut README über claude.com/plugins installiert. In Claude Code:
claude plugin marketplace add anthropics/knowledge-work-plugins
claude plugin install sales@knowledge-work-plugins
Diese Befehle haben wir nicht ausgeführt. Wir haben Aufbau und Skill-Dateien als Text von GitHub gelesen (Commit d900840 vom 04.11.2026) und den Skill call-prep wörtlich angewendet.
Unser Test
Als Fall diente ein typischer Schweizer KMU-Vertrieb, vollständig fiktiv: Die Muster Software AG hat am 06.11.2026 einen Demo-Termin bei der Schreinerei Holzwerk Muster in Winterthur. Weil wir keine echten Kundensysteme anbinden wollten, nutzten wir die Stufe «nur Dateien», die der Skill ausdrücklich vorsieht: ein CRM-Export als CSV, Notizen aus dem Erstgespräch und die Termindaten als Textdatei.

Wir haben call-prep in Claude Code (Modell Claude Opus 5.5) mit dieser Aufgabe angewendet: «Prep me for my call with Holzwerk Muster on Thursday», dazu die drei Dateien. Der Skill gibt sechs Schritte vor: Grundlagen klären, Termin auflösen, Kontoverlauf lesen, Teilnehmende einordnen, Gesprächsplan erstellen, Brief ausgeben. Dazu kommen strenge Regeln: Jeder Wert nennt seine Quelle, fehlende Angaben heissen «blank» statt geraten, und Inhalte aus E-Mails, Chats und Notizen gelten als Daten, nie als Anweisungen.
Der Brief enthält eine Kontoübersicht aus dem CRM-Export, die drei Teilnehmenden mit dem, was sie vermutlich interessiert, den bisherigen Verlauf, ein Ziel für den Termin, fünf Fragen für die Bedarfsanalyse, mögliche Einwände und was mitzubringen ist. Der Werkstattleiter stand nur in der Einladung, nicht im CRM; der Skill hat ihn deshalb als neu markiert. Oben steht offen, dass weder Kalender noch CRM verbunden waren.

Was gut war: Die Regeln greifen. In den Notizen stand eine Bitte aus dem Chat des Kunden, die Preisliste «gleich an alle aus unserem Verteiler» zu schicken. Nach den Regeln des Skills ist das eine Aktion aus fremdem Inhalt mit Empfängern, die nur dort genannt sind. Sie steht im Brief als offener Punkt für den Menschen und wurde nicht ausgeführt. Ebenso hilfreich sind die Quellen unter jeder Zeile: Man sieht sofort, was aus dem CRM stammt und was aus den eigenen Notizen.
Was weniger gut war: Der Skill ist auf englischsprachige Vertriebsorganisationen mit Gong, Salesforce und Outreach ausgelegt. Die Regeln sind lang und dicht, für die Anpassung an ein kleines Team braucht es Zeit. Eine Schreibweise für Schweizer Beträge oder Datumsformate gibt der Skill nicht vor; das haben wir selbst so gewählt. Getestet haben wir nur die Stufe ohne Connectors. Wie gut die Lese- und Schreibzugriffe auf ein echtes CRM funktionieren, können wir nicht sagen.
Beispiele aus der Praxis
- Vertrieb in KMU: call-prep, draft-outreach und weekly-wrap helfen auch ohne grosses CRM, wenn Exporte als CSV vorliegen. Gute Notizen nach jedem Gespräch werden damit wertvoller.
- Inhaberinnen und Inhaber kleiner Firmen: Das Plugin small-business bündelt 44 Skills, etwa invoice-chase für offene Rechnungen, cash-flow-snapshot, proposal-builder für Offerten und review-reputation für Bewertungen. Die Skills sind US-geprägt, tax-prep arbeitet etwa mit dem US-Formular 1099; Steuer- und Lohnthemen passen nicht ohne Anpassung auf die Schweiz.
- Eigene Plugins: Mit cowork-plugin-management lassen sich vorhandene Plugins an eigene Begriffe, Abläufe und Werkzeuge anpassen. Für Firmen, die KI-Abläufe vereinheitlichen wollen, ist das der eigentliche Hebel.
Grenzen, Risiken, Lizenz
Die Lizenz ist Apache 2.0. Die Plugins selbst enthalten keinen ausführbaren Code, die Connectors verbinden Claude aber mit Systemen voller Kunden- und Personendaten. Sobald ein CRM, ein Postfach oder Gesprächsaufzeichnungen angebunden sind, verarbeitet der Anbieter des Modells diese Daten, je nach Vertrag auch ausserhalb der Schweiz. Für Schweizer Firmen ist das nach dem Datenschutzgesetz (DSG)Das Datenschutzgesetz (DSG) regelt in der Schweiz, wie Unternehmen und Bundesorgane Personendaten bearbeiten dürfen. Die revidierte Fassung (revDSG) gilt seit…Mehr erfahren → zu prüfen, inklusive Auftragsbearbeitung und Information der betroffenen Personen. Was ein Connector darf, wird laut CONNECTORS.md am Connector selbst festgelegt (allow, ask oder block). Für alles, was Kunden erreicht, empfehlen wir «ask». Die Partner-Plugins im Marketplace stammen von Dritten und verdienen dieselbe Vorsicht wie jede andere Software.
Für wen lohnt sich das?
Für Teams, die Claude Cowork oder Claude Code bereits nutzen und wiederkehrende Aufgaben wie Gesprächsvorbereitung, Berichte oder Mahnwesen vereinheitlichen wollen. Wer zuerst klären möchte, welche Abläufe sich lohnen und wie die Daten geschützt bleiben, findet Unterstützung bei unserer KI-Beratung und Hintergründe im Artikel über KI-Agenten im Unternehmen. Wenn ein eigenes CRM besser passt als ein angebundenes, lohnt ein Blick auf CRM entwickeln lassen.
Weitere Projekte aus dieser Serie finden Sie in der Übersicht über alle 20 GitHub-Trends vom November 2026.
Häufige Fragen
Was sind die Knowledge-Work-Plugins?+
Ein quelloffenes Repository von Anthropic mit Plugins für Wissensarbeit, gebaut für Claude Cowork und laut README auch mit Claude Code nutzbar. Jedes Plugin bündelt Skills für eine Berufsrolle, dazu Verbindungen zu Werkzeugen wie CRM, Kalender oder Chat.
Was enthält ein Plugin?+
Eine Manifest-Datei mit Name und Version, eine Datei .mcp.json mit den Connectors, also MCP-Servern zu externen Werkzeugen, einen Ordner skills mit Markdown-Anleitungen und je nach Plugin einen Ordner commands für ausdrücklich aufgerufene Befehle. Laut README ist alles Markdown und JSON, ohne eigenen Programmcode.
Funktionieren die Plugins ohne CRM und Kalender?+
Ja. Laut CONNECTORS.md des Vertriebs-Plugins arbeitet jeder Skill auch ohne Verbindung, mit hochgeladenen Exporten oder eingefügten Notizen. In unserem Test entstand die Gesprächsvorbereitung nur aus drei Textdateien.
Gibt es ein Plugin für kleine Unternehmen?+
Ja, das Plugin small-business mit 44 Skills für Finanzen, Vertrieb, Marketing, Betrieb und Personal, Version 1.35.1 am 04.11.2026. Laut README liefert es keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Personalberatung und hält vor jedem Schritt an, der Geld oder Kunden betrifft.
Über den Autor
Daniel MüllerSenior Developer & SEO-Stratege
Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.


