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Vibe Coding

Claude Code in der Praxis: wie eine Agentur damit Websites baut

Wir bauen und pflegen dlm-digital.ch mit Claude Code. Dieser Bericht zeigt den echten Arbeitsablauf: Projektgedächtnis, feste Qualitätsgates vor jedem Commit, und die Stellen, an denen bei uns immer ein Mensch entscheidet.

Daniel Müller9 Min. Lesezeit
Claude Code in der Praxis: wie eine Agentur damit Websites baut

Claude Code ist ein agentisches Programmierwerkzeug von Anthropic, das ein ganzes Projekt liest, Änderungen über viele Dateien plant, Befehle ausführt und das Ergebnis zur Prüfung vorlegt. Wir setzen es seit Monaten ein, um genau die Website zu bauen und zu pflegen, auf der dieser Artikel steht, und dieser Bericht zeigt, wie das im Alltag konkret aussieht.

Über KI-Werkzeuge wird viel behauptet und wenig gezeigt. Deshalb beschränken wir uns hier auf das, was wir belegen können: unseren eigenen Arbeitsablauf, die Dateien, die ihn steuern, und die Prüfungen, die jede Änderung durchlaufen muss. Einen Vergleich der Werkzeuge untereinander haben wir separat im Beitrag Cursor vs. Windsurf vs. Claude Code vs. Codex veröffentlicht.

Was wir mit Claude Code tatsächlich bauen

Das Projekt ist keine Spielwiese. dlm-digital.ch ist eine Next.js-Anwendung mit rund 950 gebauten Seiten, davon etwa 350 auf Englisch, zwei Sprachbäumen, einem Magazin mit über hundert Artikeln, einem Glossar und Ortsseiten für die Region Zürich. Was auf dem Hauptzweig landet, geht auf die Live-Seite.

Die Aufgaben, die wir Claude Code übergeben, sind entsprechend gemischt:

  • Inhaltswellen: neue Magazin-Artikel, Glossarbegriffe und Leistungsseiten, jeweils mit Metadaten, strukturierten Daten und interner Verlinkung.
  • Systemische Korrekturen: Ein Beispiel aus dem September 2026: Die englische Wissensroute baute jeden deutschen Artikel mit, auch ohne englische Fassung. Deutscher Text unter englischer URL. Die Korrektur war ein Gatter, das Route und Sitemap gleichzeitig steuert, eine typische projektweite Änderung, bei der ein Agent seine Stärke ausspielt.
  • Prüfarbeit: verwaiste Seiten finden, Preisangaben projektweit gegenprüfen, Widersprüche zwischen sichtbarem Text und FAQ-Schema aufspüren.

Was wir nicht tun: Claude Code allein entscheiden lassen, was veröffentlicht wird. Dazu weiter unten mehr.

Das Projektgedächtnis: CLAUDE.md

Jede Sitzung von Claude Code beginnt laut Dokumentation von Anthropic mit einem leeren Kontextfenster. Was über Sitzungen hinweg gilt, steht deshalb in einer Datei namens CLAUDE.md im Projektordner, die beim Start automatisch geladen wird. Daneben gibt es eine persönliche Datei unter ~/.claude/CLAUDE.md, die für alle Projekte eines Nutzers gilt. Der Befehl /init erzeugt einen ersten Entwurf aus dem vorhandenen Code (Stand: 2026-09-23).

Unsere CLAUDE.md für dieses Projekt ist kein Vorlagentext, sondern ein gewachsenes Dokument mit sieben Abschnitten. Die wichtigsten Inhalte:

  • Struktur, die man kennen muss: zwei Root-Layouts für Deutsch und Englisch, welche Datei Firmendaten hält, wo neue Sprachpaare eingetragen werden müssen.
  • Verbindliche Preise: Jede Zahl, die auf der Website erscheint, steht dort. Alles andere ist entweder klar gekennzeichnet oder ein Fehler.
  • Stehende Regeln: Diese sind, wie die Datei selbst sagt, «aus Fehlern entstanden, die real passiert sind». Auf einer Leistungsseite stand einmal ein Ranking-Versprechen. Seitdem verbietet die Datei jede Erfolgsgarantie ausdrücklich.
  • Offene Entscheidungen des Auftraggebers: Punkte, die nicht eigenmächtig gelöst werden dürfen, mit dem Vermerk «Bis zur Klärung: nicht anfassen».

Kontext ist keine Sperre

Die Dokumentation hält ausdrücklich fest, dass Claude Code CLAUDE.md als Kontext behandelt, nicht als erzwungene Konfiguration. Wer eine Aktion unabhängig vom Modell verhindern will, etwa einen Löschbefehl, braucht einen sogenannten PreToolUse-Hook. Dieser kann einen Werkzeugaufruf laut Hook-Referenz blockieren, bevor er ausgeführt wird.

Die Lehre daraus ist unspektakulär, aber zentral: Das Projektgedächtnis muss gepflegt werden wie Code. Eine veraltete Anweisung richtet mehr Schaden an als keine, weil der Agent ihr vertraut. Unsere Datei beginnt deshalb mit einem Stand-Datum und dem Satz, dass jeder, der etwas ändert, sie aktuell hält.

Die Qualitätsgates vor jedem Commit

Schnelligkeit ist beim KI-gestützten Arbeiten nie das Problem. Das Problem ist, dass Fehler genauso schnell entstehen. Wir begegnen dem mit einer festen Reihenfolge von Prüfungen, die in der CLAUDE.md steht und die Claude Code vor jedem Commit ausführt:

  1. Typprüfung mit tsc --noEmit: Sie muss fehlerfrei sein.
  2. Produktions-Build mit next build: Er muss vollständig durchlaufen, inklusive aller statisch erzeugten Seiten.
  3. Duplikat- und Doorway-Prüfung im Quelltext: Ein eigenes Skript sammelt alle Titel und Meta-Beschreibungen der Website ein und prüft Länge, exakte Duplikate, fast identische Texte und das eigentliche Doorway-Signal: Titel, die identisch werden, sobald man Ortsnamen entfernt.
  4. Dieselbe Prüfung auf dem gerenderten HTML: Das deckt dynamische Routen ab, deren Metadaten erst beim Build entstehen.

Dazu kommen Sichtprüfungen, die kein Skript vollständig abdeckt: genau eine H1 pro Seite, korrekte Sprachangabe je Sprachbaum, jede Frage im FAQ-Schema auch sichtbar im Text, keine Seite ohne eingehenden internen Link.

Warum das Doorway-Skript? Weil ein Agent, der zwanzig Ortsseiten in einer Stunde erzeugen kann, genau das tun wird, wenn man ihn lässt. Seiten, die sich nur durch einen ausgetauschten Ortsnamen unterscheiden, schaden der ganzen Domain. Das Skript bricht mit einem Fehler ab, bevor so etwas überhaupt in einen Commit gelangt. Welche weiteren Punkte bei KI-generiertem Code geprüft gehören, insbesondere bei Zugriffsrechten und Schlüsseln, steht in unserer Security-Checkliste für Vibe Coding.

Wo bei uns immer ein Mensch entscheidet

Die Werkzeuge erlauben inzwischen sehr viel Autonomie. Claude Code kennt laut Dokumentation mehrere Berechtigungsmodi, von «Manual», in dem vor fast jeder Aktion nachgefragt wird, bis zu einem Modus, der alle Prüfungen überspringt und nur für isolierte Container gedacht ist. Dazwischen liegt ein Auto-Modus, in dem ein zweites Modell Aktionen im Hintergrund prüft (Stand: 2026-09-23).

Unabhängig vom Modus gibt es bei uns Entscheidungen, die nie beim Agenten liegen:

  • Mergen und Deployen. Die Regel steht wörtlich in der Projektdatei: «Nie ungefragt nach main mergen oder deployen. Das ändert die Live-Site.»
  • Aussagen über Kunden. Referenzen, Kundenstimmen und Fallzahlen stammen ausschliesslich aus einer gepflegten Liste. Ein Agent formuliert keine Zitate und ergänzt keine Kennzahlen. Wo keine Referenz existiert, sagt die Seite das offen.
  • Preise und Daten. Jede Preisangabe muss mit der verbindlichen Liste übereinstimmen. Fremdpreise, etwa von Software-Anbietern, erscheinen nur mit Quelle und Stand-Datum.
  • Widersprüchliche Befunde. Meldet ein Agent etwas, das dem Auftrag widerspricht, prüfen wir es. Mehrere der besten Entscheidungen im Projekt kamen genau so zustande, etwa der Verzicht auf den Grossteil der geplanten Seiten einer Welle, weil sich für sie keine eigenständige Nachfrage belegen liess.

Parallele Agenten brauchen getrennte Dateien

Mehrere Agenten gleichzeitig auf dasselbe Projekt anzusetzen, spart Zeit, aber nur mit strikt getrennter Datei-Zuständigkeit. Sonst überschreiben sie sich gegenseitig. Wir haben auch erlebt, dass eine Nachricht mitten in einem laufenden Durchgang dessen Agenten abbrach und ein grosser Teil davon stundenlang ins Leere lief. Seitdem gilt: mehrere Agenten nur auf ausdrücklichen Wunsch und mit klarer Aufteilung.

Ein typischer Arbeitsablauf, Schritt für Schritt

So sieht eine Inhaltswelle bei uns in der Praxis aus, etwa die Welle zu ChatGPT Ads vom September 2026 mit einer Leistungsseite, sechs Glossarbegriffen und drei Artikeln:

  1. Messen, dann bauen. Vor der Welle stehen Nachfragedaten, etwa Suchvolumen aus Google Ads oder DataForSEO, abgelegt als Markdown-Datei im Repository. Die Daten eines anderen Anbieters lagen bei uns in drei Wettbewerbsexporten um Faktor 3 bis 30 zu hoch, weshalb wir vor jeder Bauentscheidung gegenmessen.
  2. Recherche mit Quellen. Faktenaussagen, zum Beispiel über Funktionen oder Preise von Werbeplattformen, werden mit Quelle und Datum festgehalten, bevor ein Satz geschrieben wird.
  3. Bauen im Arbeitszweig. Claude Code erstellt Seiten, Metadaten, strukturierte Daten und Verlinkung, niemals direkt auf dem Hauptzweig.
  4. Gates. Typprüfung, Build, Duplikat-Check in beiden Modi.
  5. Menschliche Durchsicht. Inhalt, Tonalität, Faktenlage, Zahlen. Hier fallen die Fehler auf, die kein Skript findet: ein Satz, der zu viel verspricht, oder eine Chronologie, die mit einem festgelegten Datum nicht mehr zusammenpasst.
  6. Commit und Push, Deploy durch den Auftraggeber. Das Deployment läuft über Coolify aus dem Git-Repository und wird bewusst manuell ausgelöst.

Der Nebeneffekt dieser Abfolge ist ein Projekt, das sich selbst dokumentiert. Jede Welle hinterlässt eine Recherche-Datei und einen Eintrag im Projektgedächtnis, und die nächste Sitzung beginnt mit diesem Wissen statt bei null.

Was Claude Code kostet

Claude Code ist laut claude.com/pricing in allen bezahlten Claude-Tarifen enthalten und teilt sich die Nutzungsgrenzen mit dem Rest des Tarifs. Die Listenpreise, heute direkt beim Anbieter abgerufen:

TarifPreis pro MonatClaude Code
Free0 USDnicht enthalten
Pro20 USD, bei Jahresabo 17 USDenthalten
Maxab 100 USDenthalten, höhere Nutzungsgrenzen
Team Standard25 USD pro Platz, bei Jahresabo 20 USDenthalten
Team Premium125 USD pro Platz, bei Jahresabo 100 USDenthalten

Stand: 2026-09-23, Preise in US-Dollar ohne Mehrwertsteuer, Enterprise-Tarife nicht aufgeführt. Die Nutzungsgrenzen innerhalb der Tarife sind nicht in festen Mengen ausgewiesen, und wer grosse Projekte täglich bearbeitet, stösst beim Einstiegstarif schneller an sie als bei gelegentlicher Nutzung. Welche Stufe reicht, zeigt nur ein Monat echter Arbeit.

Für wen sich dieser Ansatz eignet

Claude Code entfaltet seinen Wert dort, wo ein Projekt gross genug ist, dass Änderungen an einer Stelle Folgen an fünf anderen haben, und wo es jemanden gibt, der diese Folgen beurteilen kann. Für ein KMU heisst das konkret:

  • Mit eigenem Entwickler oder technischem Partner: Claude Code beschleunigt Wartung, Migrationen und Inhaltsarbeit erheblich, vorausgesetzt, Projektgedächtnis und Prüfungen stehen.
  • Ohne technische Person im Haus: Für einen schnellen Prototyp geht es, für eine produktive Website mit Kundendaten nicht. Dort fehlen die Augen, die Fehler erkennen, bevor sie live gehen. Wie sich unbemerkt aufgebaute technische Schulden später rächen, zeigen wir im Artikel über Vibe Coding und technische Schulden.

Wer den Ansatz im eigenen Projekt nutzen will, ohne selbst die ganze Prozessarbeit aufzubauen, findet bei unserer KI-gestützten Entwicklung denselben Ablauf mit erfahrenen Entwicklern, die jede Änderung prüfen. Für schnelle Prototypen und interne Werkzeuge arbeitet unsere Vibe-Coding-Agentur mit denselben Gates. Was der Begriff Vibe Coding umfasst und wo er aufhört, erklärt das Glossar.

Fazit

Claude Code hat die Art, wie wir Websites bauen, spürbar verändert, aber nicht so, wie es Werbeversprechen nahelegen. Der Gewinn entsteht nicht dadurch, dass eine Maschine selbständig Websites erstellt, sondern durch ein Zusammenspiel aus gepflegtem Projektgedächtnis, harten automatischen Prüfungen und klaren menschlichen Freigaben. Wer nur den ersten Teil übernimmt, bekommt schnelleren Code. Wer alle drei einführt, bekommt schnelleren Code, dem man trauen kann.

Häufige Fragen

Was ist Claude Code?+

Claude Code ist das agentische Programmierwerkzeug von Anthropic. Es liest ein Projekt, plant Änderungen über mehrere Dateien, führt Befehle wie Tests oder Builds aus und legt die Änderungen zur Prüfung vor. Es läuft im Terminal, in Editoren wie VS Code und in einer Desktop-App.

Was kostet Claude Code?+

Claude Code ist laut claude.com/pricing in allen bezahlten Claude-Tarifen enthalten: Pro kostet 20 USD pro Monat (17 USD bei Jahresabo), Max ab 100 USD pro Monat, Team Standard 25 USD pro Platz und Monat (20 USD bei Jahresabo). Im Gratis-Tarif ist Claude Code nicht enthalten. Stand: 2026-09-23, Preise ohne Mehrwertsteuer.

Kann Claude Code ohne Entwickler eine Website bauen?+

Es kann lauffähigen Code erzeugen, auch für Menschen ohne Programmiererfahrung. Für eine Website, die live geht, Kundendaten verarbeitet und über Jahre gepflegt wird, braucht es aber jemanden, der Änderungen beurteilen, Fehler einordnen und über Freigaben entscheiden kann. Bei uns geht keine Änderung ohne menschliche Prüfung auf die Live-Seite.

Was ist eine CLAUDE.md-Datei?+

Eine Textdatei im Projekt, die Claude Code zu Beginn jeder Sitzung liest. Darin stehen Aufbau, Befehle und Regeln des Projekts. Laut Dokumentation ist sie Kontext, keine erzwungene Konfiguration; wer eine Aktion hart blockieren will, braucht einen Hook.

Über den Autor

Daniel Müller

Senior Developer & SEO-Stratege

Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.

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