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Vibe Coding

claude-mem: Gedächtnis für Claude Code im Test

claude-mem speichert, was ein Coding-Agent in einer Sitzung tut, und spielt es in die nächste Sitzung ein. Wir haben das Plugin in einem abgeschotteten Testordner installiert, die lokale Datenbank geöffnet und geprüft, welche Daten wo landen.

Daniel Müller8 Min. Lesezeit
claude-mem: Gedächtnis für Claude Code im Test

claude-mem ist ein Plugin, das Claude Code ein Gedächtnis gibt: Es zeichnet auf, was der Agent in einer Sitzung liest, ändert und ausführt, lässt das von einem Sprachmodell zu kurzen Beobachtungen verdichten und spielt diese beim nächsten Start im selben Projekt wieder ein. Damit muss man dem Agenten nicht jedes Mal erneut erklären, woran man zuletzt gearbeitet hat.

Das Problem dahinter ist bekannt. Claude Code beginnt jede Sitzung ohne Erinnerung an die vorherige. Was dauerhaft gelten soll, steht in der Projektdatei CLAUDE.md, wie wir in Claude Code in der Praxis zeigen. claude-mem will diese Lücke automatisch füllen.

Warum claude-mem gerade so gefragt ist

Das Repository thedotmack/claude-mem wurde am 31.08.2025 angelegt und hat 112'476 Sterne, davon laut GitHub-Trending rund 16'700 im letzten Monat und rund 8'000 in der letzten Woche (Stand 04.11.2026, Quelle GitHub). Auslöser für den aktuellen Schub ist kein einzelnes Ereignis, sondern ein sehr hohes Release-Tempo: Allein im Oktober 2026 erschienen 31 Versionen. Version 14.0.0 vom 17.10.2026 brachte die Übersicht «My Work» und «TeamBrain», Version 15.0.0 vom 20.10.2026 die mehrstufige «Smart»-Suche. Die aktuelle Version ist 15.9.0 vom 02.11.2026.

So funktioniert es

claude-mem besteht laut README aus fünf Teilen:

  1. Hooks: kleine Programme, die Claude Code bei bestimmten Ereignissen aufruft, etwa beim Sitzungsstart, bei jedem Prompt und nach jedem Werkzeugaufruf.
  2. Worker: ein lokaler Hintergrunddienst mit Web-Oberfläche, standardmässig auf einem Port um 37700.
  3. SQLite-Datenbank unter ~/.claude-mem/claude-mem.db für Sitzungen, Prompts, Werkzeugaufrufe und Beobachtungen.
  4. Observer: ein Sprachmodell, das die Rohdaten zu Beobachtungen und Zusammenfassungen verdichtet.
  5. Suche: Volltext und ein Vektorindex (Chroma), über MCP-Werkzeuge für den Agenten abrufbar. MCPDas Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen einheitlich auf externe Werkzeuge, Daten und Dienste zugreifen. Statt für…Mehr erfahren → ist ein offenes Protokoll, über das Agenten externe Werkzeuge nutzen, mehr dazu in unserem Beitrag MCP erklärt.

Der Ablauf: Sitzung 1 wird aufgezeichnet und verdichtet. Ab Sitzung 2 im selben Projekt fügt der Start-Hook eine Auswahl der Beobachtungen in den Kontext ein. Für den Observer wählt man beim Installieren einen Anbieter: das eigene Anthropic-Abo, OpenRouter, Gemini oder den hauseigenen Dienst CMEM Pro auf cmem.ai.

Installation

Wir haben claude-mem nicht in unsere normale Arbeitsumgebung installiert, sondern mit einem eigenen Home-Verzeichnis in einem Testordner. Der Befehl laut README:

npx claude-mem install

Im Test haben wir die Anmeldung bei cmem.ai und die Telemetrie abgeschaltet und den lokalen Provider gewählt:

export HOME=$TESTORDNER/home DO_NOT_TRACK=1 CLAUDE_MEM_ONLINE_OPTIN=false
npx -y claude-mem@15.9.0 install --provider claude --no-auto-start
npx -y claude-mem@15.9.0 start

Der Installer kopiert das Plugin, aktiviert es in Claude Code, lädt die Laufzeitumgebungen Bun und uv nach, legt einen Starter unter ~/.local/bin ab und ergänzt die Datei ~/.zshrc. Die Hilfe von claude-mem sagt zudem: anonyme Telemetrie ist «on by default, opt-out». Laut Code gehen dabei Systemangaben wie Version und Betriebssystem an PostHog in den USA.

Unser Test

Wir haben eine echte Claude-Code-Sitzung (Version 2.1.318) mit dem Plugin gegen ein kleines Testprojekt laufen lassen: den Offertenrechner einer fiktiven Schreinerei Holzwerk Muster in Winterthur. Aufgabe: einen Kommentar mit Quelle zum MWST-Satz ergänzen und die Tests ausführen. Die Daten landeten im Testordner, nicht im normalen Home-Verzeichnis.

Bildschirmaufnahme der lokalen claude-mem-Oberfläche mit unseren zwei Testsitzungen, aufgenommen am 04.11.2026, Version 15.9.0.

Die Oberfläche öffnet auf «My Work», einer Kartenansicht der Anfragen. Die klassische Ansicht zeigt eine «Memory timeline» mit Prompts, Beobachtungen und Sitzungen.

Ansicht My Work von claude-mem mit zwei Karten für die Testsitzungen im Projekt holzwerk
«My Work» mit den beiden Testanfragen, getestet am 04.11.2026, Version 15.9.0.

Spannender war der Blick in die Datenbank. Nach einer einzigen kurzen Sitzung standen dort die Prompts im Wortlaut und sieben Werkzeugaufrufe mit vollständiger Ein- und Ausgabe. Der Lesezugriff auf offerte.py war samt ganzem Dateiinhalt gespeichert.

Terminal mit SQLite-Abfragen auf die claude-mem-Datenbank: Prompts im Volltext und Werkzeugausgaben mit Dateiinhalt
Abfrage der lokalen Datenbank nach der Testsitzung, Pfade gekürzt, getestet am 04.11.2026, Version 15.9.0.

Was wir nicht getestet haben: Der Observer mit dem Provider «claude» liest laut Protokoll das Anmelde-Token von Claude Code aus dem macOS-Schlüsselbund. Im abgeschotteten Testordner fand er es nicht und meldete «Claude Code could not authenticate the observer». Wir haben ihm bewusst keine Zugangsdaten gegeben. Deshalb entstanden keine Zusammenfassungen, und wir können nicht beurteilen, wie gut die Erinnerungen in einer zweiten Sitzung sind.

Auffällig war zudem der Start-Hook. Er fügte schon ohne jede gespeicherte Erinnerung rund 5'000 Zeichen in den Kontext ein, darunter die Anweisung, die Aufgabenliste von claude-mem statt des eingebauten Werkzeugs zu nutzen, und einen Hinweis auf die kostenpflichtige Testphase.

Unsere Bewertung: Die Oberfläche ist sorgfältig gemacht, Installation und Start funktionierten auf Anhieb. Der Eingriff in die Arbeitsumgebung ist aber gross, und die Menge der gespeicherten Rohdaten sollte man kennen, bevor man das Plugin in einem Kundenprojekt einsetzt.

Beispiele aus der Praxis

  • Langlebiges Eigenprojekt: Ein Entwickler, der über Wochen an derselben internen Web-AppEine Web-App ist eine Anwendung, die im Browser läuft und sich wie ein Programm bedienen lässt — mit Login, Eingaben, gespeicherten Daten und Abläufen. Anders…Mehr erfahren → arbeitet, muss dem Agenten Architektur, frühere Fehler und offene Punkte nicht jedes Mal neu erklären.
  • Wiederkehrende Fehlersuche: Wer dieselben Build- oder Deploy-Probleme mehrmals löst, findet frühere Lösungen über die Suche in der Weboberfläche wieder.
  • Agentur mit mehreren Kundenprojekten: Hier ist Vorsicht geboten. Die Datenbank trennt zwar nach Projekt, liegt aber zentral im Home-Verzeichnis und enthält Code und Dateiinhalte aller Kunden.

Grenzen, Risiken, Lizenz

Lizenz: Apache-2.0, kommerzielle Nutzung erlaubt.

Datenschutz: Alles, was der Agent liest, kann in ~/.claude-mem landen, auch Konfigurationsdateien oder Kundendaten. Laut README lassen sich Passagen mit speziellen Private-Tags von der Speicherung ausschliessen, das haben wir nicht getestet. Mit CMEM Pro, OpenRouter oder Gemini gehen die Rohdaten zur Verdichtung an externe Dienste. Für Personendaten ist das nach DSG eine Bekanntgabe an Dritte, oft ins Ausland.

Ein dokumentierter Vorfall: Im Changelog zu Version 15.8.3 vom 02.11.2026 steht, dass die Browser-Einrichtung seit Version 15.2.0 vom 25.10.2026 «the full text of the last 30 days of prompts» mit Projektnamen und Ordnerpfaden ohne Rückfrage an cmem.ai geschickt hat. Die Korrektur fragt nun vorher. Bereits hochgeladene Prompts löscht das Update laut Changelog nicht. Wer claude-mem in diesem Zeitraum über den Browser eingerichtet hat, sollte das prüfen und gegebenenfalls beim Anbieter die Löschung verlangen.

Sicherheit: Hooks laufen bei jeder Aktion mit den Rechten des Benutzers. Wer fremde Plugins einsetzt, vertraut dem Code und jedem Update. Hinweise dazu sammeln wir in Sicher vibe-coden.

Kosten: Der Code ist frei. Die Verdichtung verbraucht Modellnutzung, entweder vom eigenen Abo oder über CMEM Pro. Einen Preis für CMEM Pro nennt der Installer nicht, nur die 30 Tage Testphase (Stand 04.11.2026).

Für wen lohnt sich claude-mem?

Für Einzelentwickler mit eigenen, langlebigen Projekten ohne sensible Daten, die bereit sind, die Datenbank regelmässig zu prüfen und zu bereinigen. Für Agenturen und KMU mit Kundencode empfehlen wir zuerst die einfachere Variante: eine gepflegte CLAUDE.md im Projekt, die ein Mensch liest und versioniert. Wenn Sie eine Web-App mit KI-Agenten entwickeln lassen und dabei klare Regeln für Daten und Werkzeuge wollen, finden Sie unseren Ansatz auf der Seite Web-App entwickeln lassen.

Weitere Werkzeuge aus diesem Monat finden Sie in der Übersicht alle 20 GitHub-Trends vom November 2026.

Häufige Fragen

Was ist claude-mem?+

claude-mem ist ein Open-Source-Plugin für Claude Code und andere Coding-Agenten. Es zeichnet Prompts und Werkzeugaufrufe einer Sitzung auf, lässt sie von einem Sprachmodell zusammenfassen und spielt diese Zusammenfassungen in spätere Sitzungen desselben Projekts wieder ein.

Wo speichert claude-mem die Daten?+

Standardmässig lokal im Ordner ~/.claude-mem, vor allem in der SQLite-Datei claude-mem.db. In unserem Test standen dort die Prompts im Volltext und die vollständigen Ein- und Ausgaben der Werkzeuge, also auch ganze Dateiinhalte. Wer CMEM Pro oder Cloud Sync nutzt, schickt Daten zusätzlich an cmem.ai.

Ist claude-mem kostenlos?+

Der Code steht unter der Apache-2.0-Lizenz. Für die Zusammenfassungen braucht es aber ein Sprachmodell: entweder das eigene Anthropic-Abo, einen eigenen Schlüssel für OpenRouter oder Gemini oder den kostenpflichtigen Dienst CMEM Pro mit 30 Tagen Testphase (Stand 04.11.2026, laut Installer).

Darf man claude-mem in Kundenprojekten einsetzen?+

Technisch ja, aber nur nach einer Prüfung. Die Datenbank enthält Quellcode, Dateiinhalte und Prompts im Klartext. Für Projekte mit Personendaten gelten die Regeln des DSG, und sobald ein externer Dienst die Zusammenfassungen erstellt, verlassen diese Inhalte das Gerät.

Über den Autor

Daniel Müller

Senior Developer & SEO-Stratege

Daniel Müller ist Senior Developer und SEO-Stratege bei DLM Digital in Zürich. Mit über 10 Jahren Erfahrung in Webentwicklung, SEO, GEO/AEO und KI-Integration begleitet er Schweizer KMU bei der digitalen Transformation. Im DLM Magazin schreibt er über KI, Vibe Coding und moderne Suchmaschinen-Sichtbarkeit.

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